Dienstag, 6. Dezember 2016

Muckis Beichte - eine Rezension

Muckis Beichte. Prügel-Nonnen u.a. Liebesgaben – ein Lebenskünstler erzählt“ - Arnold Kamenz


AUSBRUCHSVERSUCHE

Buchtipp von Harry Popow

Alte Weisheit: Es gibt nichts, was unpolitisch wäre. Alles und jedes menschliche Tun hänge von den jeweiligen Umständen ab. Seitdem ich das Büchlein „Muckis Beichte“ von Arnold Kamenz gelesen habe, kamen mir im ersten Moment Zweifel. Kann man ein Buch, in dem sich dir kleine und große Schweinereien ins Gedächtnis schmuggeln, als politisch bezeichnen? Wo es nur so wimmelt von Prügel gegenüber Kindern, von Sex und Kindesmissbrauch, von Saufereien und Knast, von Entziehungskuren und von Lieblosigkeit gegenüber Kindern sowie von Hurerei und Exzessen, kann man dieses als politische Äußerungen betrachten? Zumal der Text eigentlich nur Zustände beschreibt, also eine naturalistischen Sicht präsentiert?


Unumwunden: Der Autor Arnold Kamenz hat dies alles erlebt. In Westberlin der 60er und 70er Jahre und später. Er konnte nicht richtig Fuß fassen in einem System, dass nicht für die Menschen da ist. Geprägt von Arbeitslosigkeit, von bürokratischen Beamten, von Willkürakten gegenüber vermeintlichen Kriminellen, hat ein jeder das Seine zu tun, um über die Runden zu kommen.

Es ist kein Zufall, dass der Autor erst in seinem 65. Lebensjahr diese Schrift verfasste. Und das in einer sehr, sehr offenen Sprache. Er beschönigt nichts, nicht seine Fehler, nicht die Umstände, die ihn zum inneren Widerstand gegen die Unbilden der Macht verführten. Ja, er wird zynisch, er sagt Dinge, die man schier gerne überlesen haben würde. Es ist nicht nur die Sauferei, nicht nur der feuchtfröhliche Umgang mit dem weiblichen Geschlecht. Es ist die Abstinenz vor jeglichem Gedanken an den Sinn des Lebens, es ist die reinste Selbstaufgabe als Persönlichkeit.

Und trotzdem: Dieser Autor, mit Spitznamen nennt er sich Mucki, beichtet eigentlich die Unzulänglichkeit seines Daseins, indem er lediglich Spaß haben will und ums Überleben kämpft. So reihen sich in seinen Berichten Episoden an Episoden (welch ein erstaunliches Gedächtnis), die mitunter langweilig wirken, aber man kommt als Leser nicht umhin, den Kopf zu schütteln über den Mut, nicht aufzugeben. So finden sich denn auch zahlreiche Perlen der Erkenntnis des Mucki, im Interesse der Vernunft Menschlichkeit zu zeigen. Und das geschieht in vielen Momenten, da er sich für andere Kameraden und Bekannte selbstlos einsetzt, ihnen hilft in Notsituationen. Er selbst versucht aus dem Dilemma seines Daseins auszubrechen, indem er sich von seinen Saufbrüdern fernhalten will, indem er ins Ausland reist, indem er die Wohnung wechselt. Oft auch vergebliche Liebesmüh. Interessant auch seine Meinung zu Kriegen. So formuliert er seine Ansicht auf Seite ...

Sein Aufschrei nach einem sinnvollen Leben zeigt sich beim Autor am klarsten, wo er mit folgenden Worten sein Innertes preisgibt: „Ich hatte Michi immer gesagt: „Sorge dafür, dass das Kind nie in ein Heim kommt. Ich habe es erlebt, wie schmerzhaft es ist. Keine Familie, mit der man über seine Sorgen reden kann. Und kuscheln kenne ich aus meiner Kindheit überhaupt nicht. Darum kann ich auch heute nur schwer meine Liebe zeigen. Hand in Hand gehen oder von allein mal jemanden in den Arm nehmen, das hab ich gar nicht gelernt. Ich dachte, dass brauch man nicht, dabei ist es doch so wichtig. Wonach ich mich auch sehnte und das auch heute noch vermisse.“

Zweifellos wird dieses Buch mit all seinen Impressionen über das Auf und Ab des ausgebeuteten Menschen seine Leser finden. Und sei es wegen der Gier, mehr über asoziales Verhalten zu erfahren, über die Untergründe menschlichen Fehlverhaltens. Mögen jene Leser aber auch herausfinden, wieviel Kraft dazu gehört, im unmenschlichen System zu bestehen und sich dazu durchzuringen, seinen Zeifeln an den Widrigkeiten des Lebens eigenes Nachdenken und bewusstes Verhalten entgegenzusetzen. Damit sei auch mein Zweifel als Rezensent aus der Welt: „Muckis Beichte“ ist – ohne Wenn und Aber ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Verhältnisse, nicht nur vor Jahren, sondern vor allem in der heutigen Zeit der Gefahr neuer Kriege.

Arnold Kamenz: „Muckis Beichte. Prügel-Nonnen u.a. Liebesgaben – ein Lebenskünstler erzählt“, Taschenbuch: 311 Seiten, Verlag: dbusiness.de Verlag (11. November 2016), ISBN-10: 3946837263, ISBN-13: 978-3946837268, Preis: 9,90 Euro, www.amazon.de/Muckis-Beichte-Prügel-Nonnen-u-Liebesgaben/dp/3946837263
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Sonntag, 4. Dezember 2016

Wer den Hintern schminkt...

Den folgenden Beitrag entnahm ich dem Dezember-RotFuchs aus aktuellem Anlass: Erstens ergab die Landratswahl – lt. Der Zeitung Blickpunkt 48/2016 - im Kreis Oder Spree im ersten Wahlgang vom 27. November 2016 eine Wahlbeteiligung von sage und schreibe 31,8 Prozent!!! (Eine Stichwahl wird erforderlich.) Zweitens stehen 2017 die Bundestagswahlen an. Was aber bedeuten Wahlen, was Demokratie?



Entnommen: http://www.rotfuchs.net/rotfuchs-lesen/das-unbehagen-in-der-demokratie.html

Das Unbehagen in der Demokratie



Theodor Weißenborn


Das aus dem Griechischen stammende Wort „Demokratie“ und die Sache, die es bezeichnet, bedeuten laut allen mir bekannten Enzyklopädien (im Gegensatz etwa zu Theokratie, Aristokratie, Plutokratie und anderen Herrschaftsformen) soviel wie Volksherrschaft, und diese stützt sich auf den ehernen Grundsatz, daß alle Gewalt vom Volke ausgeht, womit stets die Gesamtheit des Volkes und nicht etwa eine privilegierte Gruppe oder nur eine soziale Oberschicht gemeint ist, sondern (so in der Formaldemokratie) die Mehrheit, deren Wille auf direktem Wege durch Plebiszite (Volksabstimmungen) oder die Wahl von Volksvertretern (parlamentarische Demokratie) zu ermitteln ist. Auf diese Weise (so der englische Philosoph Jeremy Bentham, 1748 bis 1832) soll „das größte Glück der größten Zahl“ gewährleistet sein, was freilich voraussetzt, daß die Mehrheit weiß, was für sie gut ist und nicht etwa in einem „falschen Bewußtsein“ (Marx) befangen ist.

Genau hier setzt bereits unsere Skepsis an, denn selbst unter der Voraussetzung sogenannter freier Wahlen und dort, wo Wahlergebnisse nicht gefälscht werden, kommt es schon im Vorfeld von Wahlen zu massiven und oftmals irreführenden Beeinflussungen der Wähler, durch die Schürung von Ängsten oder verheißungsvolle Versprechen („herrliche Zeiten“, „Wohlstand für alle“, „Keiner soll hungern und frieren“, „blühende Landschaften“ usw.), die sich dann über kurz oder lang als dreiste Lügen erweisen.

Besonders fragwürdig sind die Ergebnisse von Volksabstimmungen, die allenfalls etwas darüber sagen, was die Mehrheit will oder nicht will, aber nicht das geringste darüber, ob das von der Mehrheit Gewollte gut und richtig ist. Zwar sehen vier Augen mehr als zwei, aber auch fünf oder gar fünfzig Millionen Wähler können verblendet in einem Begeisterungstaumel Fehlentscheidungen treffen und sich wie die Lemminge ins Verderben stürzen. Wer garantiert, daß selbst nach den atomaren Katastrophen von Tschernobyl und Fukushima nicht Mehrheiten weiterhin für das Betreiben von Atomkraftwerken plädieren? Und fordern nicht gerade jetzt fanatisierte Massen in der Türkei die Wiedereinführung der den Menschenrechten hohnsprechenden Todesstrafe? – Wer dächte da nicht unwillkürlich an den kollektiven Schrei: „Führer befiehl, wir folgen!“ oder an das Ende der Weimarer Demokratie durch die Selbstentmachtung des Parlaments, das mehrheitlich das Ermächtigungsgesetz erließ und damit die Voraussetzung für die Schreckensherrschaft der Faschisten schuf?

Damit sind wir bei einem Beispiel, das zeigt, daß auch der parlamentarischen Demokratie nicht zu trauen ist – sei es, weil Abgeordnete mit Blindheit geschlagen sein können, sei es, daß sie (auch das ist menschlich) bestechlich und korrupt sind oder Vetternwirschaft betreiben, das heißt trotz ihres Auftrags, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, auf dem Wege der Gesetzgebung unter Täuschung der Öffentlichkeit Entscheidungen treffen, die (siehe die Zahlen der Obdachlosen, die der unterhalb der Armutsgrenze lebenden Kinder, die der verarmten Rentner) gerade nicht das Glück der größten Zahl, sondern im Gegenteil den wachsenden Wohlstand einer verschwindend kleinen Gruppe von Kapitaleignern fördern – jener 10 Prozent der Gesamtbevölkerung, die im Besitz von 90 Prozent des gesamten Volksvermögens sind!

Längst werden in den demokratisch verfaßten Ländern Europas und der übrigen Welt die wirklich wichtigen gesellschaftspolischen Entscheidungen nicht mehr von den gewählten Regierungen getroffen! Die Bankenbosse, die Konzernherren, die Pharmaindustrie, die Waffenfabrikanten sind es, die das Sagen haben, die die Regierungen unter Druck setzen und im Bündnis mit diesen die Völker knechten. Dies eben ist unsern Regenten vorzuwerfen: daß sie mit den Feinden ihrer Völker paktieren, die Demokratie mißbrauchen, ihre Wähler betrügen, daß sie das Unrecht verschleiern, statt es publik zu machen, und also mitschuldig werden. Manche zunächst demokratisch gewählte Regenten mutieren über kurz oder lang sogar zu Diktatoren, die demokratische Grundrechte abbauen, Verfassungen aushebeln und die Menschenrechte verletzen.
Von einer inhaltlichen Verwirklichung der Demokratie, etwa der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, kann ebenfalls nicht die Rede sein, obwohl gerade dafür Artikel 14 des Grundgesetzes („Eigentum verpflichtet“) die Voraussetzung böte.

Angesichts eines derart desaströsen Bildes, wie zumal die westeuropäischen parlamentarischen oder Formaldemokratien es bieten – was um alles in der Welt könnte bei einer derartigen Diagnose noch ein praktikables Therapeutikum sein? Wir wissen, längst sind die Monopolkapitalisten so klug geworden, daß sie die vielfältigen Formen der Ausbeutung geschickt zu tarnen wissen, längst sind sie so schlau, die unterdrückten Massen leidlich bei Laune zu halten und über ihre Nöte zu täuschen, damit sie nur ja kein Klassenbewußtsein entwickeln oder gar sich international zusammenschließen. Revolutionäre Situationen (obwohl sie da und dort, z. B. in Bangladesch, längst existieren) werden verschleiert, damit sie nicht ins Bewußtsein der Weltöffentlichkeit dringen. Die leidvoll Betroffenen, die Ausgebeuteten, hält man bewußt in der Angst, daß es ihnen, sobald sie aufbegehren, noch schlechter gehen werde als ohnehin schon. Wie sehr, bis zu welchem Grad muß der Leidensdruck noch steigen?

Ich bin kein Prophet, aber eines scheint mir sicher: Früher oder später wird es da oder dort zur Revolution kommen, und die Kapitaleigner, im Bündnis mit den Militärs, werden nicht zögern, Waffen einzusetzen, um ihre Pfründe zu sichern. Es droht ein womöglich globaler Krieg. Um ihn zu verhindern, ist eine neue Internationale weltweiter Friedenskräfte dringend geboten!



Kurzkommentar:
Es ist wohl wahr: Ohne Maskierungen hat das Kapital keine Chance. Es braucht die Täuschung, die Schminke. Doch man könne den Hintern schminken wie man will, es wird kein ordentliches Gesicht daraus, so zitiert Kurt Tucholsky in „Schloß Gripsholm“ seinen Freund Karlchen.

H.P.

Samstag, 3. Dezember 2016

RotFuchs: Ohne Frieden kein Überleben

Entnommen: http://www.rotfuchs.net/files/rotfuchs-ausgaben-pdf/2016/RF-227-12-16.pdf



Ohne Frieden kein Überleben



Die bundesweite Friedensdemonstration in Berlin am 8. Oktober war eines der wenigen erfreulichen Ereignisse im zu Ende gehenden Jahr. Die Organisatoren schrieben zu Recht in ihrer Abschlußerklärung: „Wir setzen ein deutliches Zeichen gegen Krieg und für Frieden – überall. Vor allem in Syrien.“ Erstmals seit mehreren Jahren gelang es, bundesweit Menschen in dieser Zahl – insgesamt etwa 8000 – zu mobilisieren. Sie sprachen es auf Plakaten, Transparenten und in den Redebeiträgen klar aus: Dieses Land führt Krieg, und damit muß Schluß sein! Es nimmt in vorderster Linie an den Feldzügen teil, die vom Westen unter Führung der USA angezettelt wurden und unter per manentem Bruch des Völkerrechts stattfinden. Von deutschem Boden geht wieder Krieg aus. Die bürgerlichen Medien, die Politiker der etablierten Parteien, erklären, das Gegenteil sei wahr. Die Bundesrepublik habe eine fast 70jährige Friedensperiode erlebt. Nur weil keine Bomben auf Hamburg oder Stuttgart fallen? Der Staatsterror des Westens von Nordafrika bis Zentralasien findet längst sein blutiges Echo auf europäischem Boden. Das nunmehr 15 Jahre andauernde Schießen und Bomben in Afghanistan, die direkte deutsche Beteiligung mit Aufklärungsflugzeugen am Syrien-Krieg, das Truppenkontingent in Mali – das alles hat mit Krieg nichts zu tun? Von US-Atomwaffen in der Eifel, von Ramstein Air Base, der Drehscheibe für den Drohnenkrieg Barack Obamas und seines Vorgängers, vom Rüstungsexport und von der logistischen Unterstützung der Bundeswehr für jeden Krieg der USA und anderer NATO-Partner ganz zu schweigen. Nein, der Westen führt einen Angriffskrieg nach dem andern, aber er redet nicht gern darüber.



Der 8. Oktober hat ein Zeichen gesetzt, indem er auf die Tatsachen hingewiesen hat. Das besagt aber zugleich: Er kann nur ein Anfang gewesen sein. Erstens werden diese Kriege fortgesetzt, zweitens treffen NATO und Bundesregierung Vorbereitungen auf mehr und größere Kriege – was sollen deutsche Soldaten und deutsche Panzer an der russischen Grenze in Litauen? –, drittens war in diesem Jahr verräterisch oft in Erklärungen hoher US-Generale und des US-Kriegsministers von einem dritten Weltkrieg die Rede. Die Mehrheit der Menschen, auch in der Bundesrepublik, ist besorgt, ihre Beunruhigung wird genutzt, um Themen wie Migration, Integration, versuchte oder vollführte Attentate nationalistisch auszuschlachten und um Arbeiter- wie Friedensbewegung zu spalten. Das Verfahren ist nicht neu, der Imperialismus nutzt es wiederkehrend seit seinen Anfängen – mit dem deutschen Faschismus und dem zweiten Griff nach der Weltmacht hatte es seine schlimmsten Auswirkungen. In der Bundesrepublik bietet sich jetzt eine neue völkisch-rassistische Partei, die nun in zehn Landtagen sitzt, als Instrument an, um imperialistischen Klasseninteressen wieder eine Massenbasis zu verschaffen. Mit ihr öffnet sich das Bürgertum politisch erneut für Faschisten.



Ein Aufstand gegen den Krieg und gegen die vor aller Augen stattfindenden Kriegsvorbereitungen, auch die ideologischen, ist nötig. Er bedarf nicht Tausender, nicht Zehntausender, er bedarf Millionen Menschen, die auf die Straße gehen. Die größte organisierte Friedensbewegung, die Gewerkschaften, sind bis heute ebensowenig mobilisiert wie Millionen Wähler von SPD, Grünen, Linken, aber auch der bürgerlichen Parteien. Sie müssen gewonnen werden, so wie es gegen TTIP und CETA in beachtlichem Maß gelang. Dann wird aus dem Zeichen vom 8. Oktober 2016 eine Macht.
Arnold Schölzel





Mittwoch, 30. November 2016

Der Cyber-Russe - Gellermann

Entnommen:
http://www.rationalgalerie.de/home/der-cyber-russe-ist-unterwegs.html



Der Cyber-Russe ist unterwegs


Die Antwort kann nur die Atom-Bombe sein

Autor: U. Gellermann
Datum: 30. November 2016

Wen haben wir denn da? Bruno Kahl. Den verlängerten Arm der dunklen Macht im Herzen der CDU, Schäubles Hausdiener seit 1996, seit er dem damaligen CDU-Fraktionsvorsitzenden „in verschiedenen Funktionen“ zuarbeitete. Um ihm dann beim Bundesministerium des Inneren die Pantoffeln zu reichen und schließlich seinem Herrn und Meister in das Finanzministerium zu folgen. Nun ist er Chef des Bundesnachrichtendienstes, der oberste Auslands-Spion und verkündet als erstes: “Störversuche aus Russland“ Im Internet. Schauerlich heulen die Wölfe aus Sibirien im www. Grimmig wird Putin die Strippen der Telekom ziehen. Und das Ziel sind die Wahlen in Deutschland.

Wer hatte begonnen die guten alten Luftschutz-Sirenen aus den glorreichen Reichsjahren zum Zweck des Cyber-Alarms zu reaktivieren? War es der Internet-Junkie Angela Merkel, als sie jüngst den Bundestag auffordert, sich mit neuen Möglichkeiten der politischen Manipulation wie die von Computern erzeugten künstlichen Identitäten oder Falschmeldungen zu beschäftigen? War es der Netz-Artist und SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann, der sich sorgte, dass die Ergebnisse der Bundestagswahl durch Cyber-Attacken manipuliert werden könnten? Oder doch der Chef des britischen Geheimdienstes MI5, Andrew Parker, der im GUARDIAN Klartext redete: „Russland ist eine zunehmende Bedrohung für die Stabilität in Großbritannien“ und der vor den „ausgefeilten Werkzeugen“ der Moskowiter warnte. Aha, die Russen feilen an ihren Computer-Chips! Dann kann es nicht mehr lange dauern und sie sägen auch an unseren Plasmabildschirmen.

Das Interview mit dem Mann vom Bundesnachrichtendienst soll angeblich der ehrenwerte Heribert Prantl von der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG geführt haben. Aber diese primitive Suggestiv-Vorlage kann doch der Prantl, den wir kennen, nie selbst gegeben haben: „Seit dem Ukrainekrieg wird auch das deutschsprachige Internet vollgemüllt mit Desinformationen aus sogenannten Troll-Fabriken in Russland“. Es muss sich bei dieser unter Prantl firmierenden Figur um irgendeinen Geheimdienst-Klon handeln. Denn der echte Prantl weiß schon, dass gerade im Ukrainekrieg die Falsch-Informationen in Deutschland schön von Hand gemacht wurden. Sowohl von den Atlantikern in seiner Zeitung als auch gern und genauso schlecht in den öffentlich-rechtlichen Nachrichten.

Wie soll es nur vor sich gehen, wenn der Russe, nachdem er zum Frühstück schon ein westliches Werte-Kind gefrühstückt hat, unsere garantiert freien Wahlen mit seinen Trollen beeinflusst? Hackt sich der Russe direkt in die Wahlcomputer, um der russlanddeutschen Partei EINHEIT (единство) zu einem Kantersieg bei den Bundestagswahlen zu verhelfen? Oder werden die Agenten Putins bei SPUTNIK News und RT Deutsch von der Kinderarmut in Deutschland oder ähnlichem Horror berichten, um die Wähler zu verunsichern? Und was machen die Wähler dann? Kaufen sie sich alle Kalaschnikows, zerschießen die Wahlurnen und ertränken die Wahl-Leiter in hochprozentigem Wodka?

Geradezu pünktlich zum Wahlkampfauftakt, nur wenige Tage nach der Merkel-Kandidatur, kam es zu massiven Ausfällen von Routern der Deutschen Telekom. Flugs hatte das Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) „Erkenntnisse“ in der Qualität von Visionen der heiligen Theresa: Der Ausfall, der 900.000 Geräte lahmlegte, sei die Folge einer weltweiten Attacke auf ausgewählte Fernverwaltungsports. Arne Schönbohm, der Chef des BSI, ist Mitglied solch klassischer Cyber-Nerd-Vereine wie der Atlantik-Brücke, der Clausewitz-Gesellschaft und des Förderkreises Deutsches Heer. Von dort werden sicher auch die gern zitierten „Sicherheitsexperten“ kommen, die immer wieder auf die Machenschaften russischer Gruppierungen verweisen, die „mutmaßlich“ von Geheimdiensten des Putin-Regimes gesteuert werden.

In der Stunde der Gefahr, wenn das deutsche Netz vom Russen völlig zersetzt ist und die deutschen Wahlen in Moskau gefälscht werden, ist immer noch auf die Wacht am Main Verlass: Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. Sie fürchtet, dass die USA, die „schon unter Obama zunehmend zögerlich den Weltpolizisten gespielt“ habe, noch zögerlicher werden könne. Das sei zwar „angesichts der vielen Misserfolge bei astronomisch hohen Kosten, finanziellen wie politischen“, nicht verwunderlich. Aber jetzt müsse die „eigene (deutsche) nukleare Abschreckungsfähigkeit, welche die Zweifel an Amerikas Garantien ausgleichen könnte“ her. Mit echten deutschen Atombomben könnte dem Russen das Handwerk gelegt werden. Bis zum Ural. Und, wenn nötig, auch darüber hinaus. Zweifellos und garantiert.






Montag, 28. November 2016

Fidel Castro

Entnommen: https://www.jungewelt.de/2016/11-28/066.php



»Die Ideen werden siegen!«


Fidel Castro hat sein Leben dem Kampf für ­soziale Gerechtigkeit und Frieden gewidmet. Sein ­revolutionärer Humanismus bleibt ein Auftrag an die Nachwelt.
Ein Nachruf
Von Volker Hermsdorf

Kein anderer Mensch ist schon zu Lebzeiten von seinen Gegnern so oft für tot erklärt worden wie Fidel Castro. »Einmal habe ich gesagt, dass an dem Tag, an dem ich wirklich sterbe, niemand es glauben wird«, antwortete er vor mehr als zehn Jahren auf eine Frage seines Interviewers Ignacio Ramonet. Nun müssen wir es glauben. Der Comandante en Jefe der Kubanischen Revolution Fidel Castro Ruz ist am 25. November 2016 um 22.29 Uhr im Alter von 90 Jahren verstorben. Ein »Unentbehrlicher«, wie Bertolt Brecht diejenigen nannte, die ihr Leben lang für eine bessere Welt kämpfen, ist gegangen.

Fidels Leistungen und sein Vermächtnis sind jedoch für das kubanische Volk und die fortschrittlichen Menschen in aller Welt unvergänglich. Während Kuba und seine Freunde weltweit um einen großen Menschen trauern, feiern Gegner der Kubanischen Revolution Fidel Castros Tod bereits als vermeintlichen Triumph. Er selbst hatte das vorausgesehen. »Unsere Feinde sollten sich keine Illusionen machen, ich sterbe morgen, und mein Einfluss mag zunehmen«, sagte er im Interview mit Ramonet und fügte hinzu: »Ich könnte es wie Cid Campeador machen, den sie tot auf dem Pferd mit sich führten und so Schlachten gewannen.«

Verräter seiner Klasse



Die Schlacht um die Unabhängigkeit und Souveränität Kubas, das mit dem Sieg der Revolution zum ersten Mal in seiner Geschichte frei von der Vorherrschaft fremder Mächte wurde, hatten bewaffnete Arbeiter, Bauern, Landarbeiter und Studenten unter Fidel Castros Führung bereits am 1. Januar 1959 gewonnen. Die gestürzte einheimische Oligarchie, die Gefolgsleute des geflohenen Diktators Fulgencia Batista und ihre Verbündeten haben ihm das ebensowenig verziehen wie die Großaktionäre der enteigneten Konzerne, die Wall Street und deren jeweilige Vertreter im Kongress der USA und im Weißen Haus. Für sie war Fidel so etwas wie ein Verräter seiner Klasse, jemand, der der Gruppe der Besitzenden und Privilegierten und deren Lebensstil aus freien Stücken den Rücken gekehrt hatte.

Der Lebensweg des Sohnes eines armen einfachen Einwanderers aus Galicien, der es in Kuba als Großgrundbesitzer zu Wohlstand gebracht hatte, war das Ergebnis einer bewussten Entscheidung, die Fidel selbst mit einem Zitat des kubanischen Nationalhelden José Martí begründete: »Der wahrhaftige Mensch schaut nicht, auf welcher Seite man besser leben kann, sondern welcher Seite man verpflichtet ist.« Diesem Motto ist er bis zu seinem Tod treu geblieben. Fidel Castro ergriff immer Partei für diejenigen, die nicht auf der Sonnenseite leben. Er widmete sein individuelles Schicksal kompromisslos dem Einsatz für die Beseitigung gesellschaftlicher Verhältnisse, in denen, wie Karl Marx es einmal formulierte, »der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.

Um die Verwirklichung dieses Lebenszieles ging es ihm in Kuba, in Lateinamerika, in Afrika, weltweit. Dabei lag es ihm fern, seine Entscheidung als Verdienst zu preisen. In einem Brief an den kubanischen Studentenverband FEU bemerkte Fidel Castro dazu einmal beinahe scherzhaft, er sei »auf wundersame Weise dem Reichtum entkommen«. Am 19. April 2016 – in seiner letzten Rede auf dem VII. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas – bezeichnete er es als »Privileg«, ein »Revolutionär zu sein, was das Ergebnis unseres eigenen Bewusstseins ist«.

Sieg im Befreiungskrieg



»Er besitzt die Überzeugung, dass die größte Errungenschaft des Menschen in einem gut ausgebildeten Bewusstsein besteht und dass moralische Motivationen eher dazu fähig sind als materielle, die Welt zu verändern und der Geschichte einen Schub zu verleihen«, schrieb der im April 2014 verstorbene Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez, einer seiner zahlreichen aufrichtigen Freunde, über Fidel Castro. Nach einem hervorragenden Abschluss an der Universität von Havanna hatte dieser sich zunächst als talentierter junger Anwalt Achtung erworben und stand vor einer glänzenden bürgerlichen Karriere. Doch er entschied sich für den Kampf gegen die Batista-Diktatur, die – unterstützt von den USA und anderen Ländern wie der Bundesrepublik Deutschland Konrad Adenauers – zu einem der blutigsten Regime in Lateinamerika und der Karibik zählte.

Fidel Castro tauschte die Anwaltsrobe gegen die olivgrüne Felduniform. Zu seinem einzigen Schmuck wurde ein fünfzackiger Stern, das Symbol des Befreiungskampfes der Guerilleros. Der von ihm angeführte Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba am 26. Juli 1953 scheiterte zwar militärisch, gilt aber dennoch als Startsignal für die Kubanische Revolution. Im anschließenden Prozess wurde Fidel Castro vom Angeklagten zum Ankläger, sein Schlussplädo­yer, gipfelnd in dem Satz »Die Geschichte wird mich freisprechen«, zu seiner vielleicht berühmtesten Rede. Nicht der Sturm auf die Kaserne sei unbegreiflich, hielt er den Richtern entgegen: »Unbegreiflich ist, dass Kinder ohne ärztliche Hilfe sterben, dass dreißig Prozent unserer Landbevölkerung nicht ihren Namen schreiben können und (…) dass die meisten Familien auf dem Lande unter schlechteren Bedingungen leben als die Indianer, die Kolumbus traf, als er das schönste Land entdeckte, das Menschenaugen je gesehen haben.«

In dieser Rede skizzierte Fidel Castro bereits in Grundzügen ein politisches Programm für die Zeit nach der Revolution, an deren Erfolg er nie zweifelte. Nach einer Zeit im Gefängnis formte Fidel im mexikanischen Exil mit seinem jüngeren Bruder Raúl, dem argentinischen Arzt Ernesto »Che« Guevara und anderen Gefährten den Kern einer Guerilla, deren 82 Kämpfer unter seiner Leitung am 2. Dezember 1956 mit der Yacht »Granma« an der kubanischen Süd­küste landeten und den Befreiungskrieg gegen das Regime aufnahmen. Als die Revolutionäre mit Unterstützung der Bevölkerung einen Sieg nach dem anderen errangen, plünderte der Diktator die Staatskasse und floh kurz vor der Silvesterfeier 1958 aus Kuba. Nach einem Triumphzug durch das ganze Land – in Kuba heute »Karawane der Freiheit« genannt – zog die Rebellenarmee mit Fidel Castro an der Spitze am 8. Januar 1959, nur 25 Monate nach Landung der »Granma«, unter dem Jubel der Bevölkerung in die Hauptstadt ein. Mit dem Sieg der Revolution war Kuba zum ersten Mal in seiner Geschichte souverän und unabhängig von fremden Mächten geworden.

Die gestürzten Profiteure von Batistas Terrorregime, die im Kalten Krieg in aller Welt erstarkenden Antikommunisten und die Herren der Kuba bis dahin beherrschenden US-Konzerne wollten die Emanzipation der Menschen in ihrem Hinterhof jedoch nicht hinnehmen. Das kubanische Volk sollte mit einer von Fidels Armee zurückgeschlagenen Invasion, mit Terroranschlägen und mit der längsten Wirtschafts-, Handels- und Finanzblockade, die je über ein Land verhängt wurde, in die Knie gezwungen werden.

Als Repräsentant des unbeugsamen, rebellischen Volkes war dessen Revolutionsführer Fidel Castro eine bevorzugte Zielscheibe aller Angriffe. Die Feinde gaben sich nicht mit der Dämonisierung seiner Person zufrieden, sondern organisierten Hunderte Anschläge auf sein Leben. Doch da alle Mordversuche scheiterten, diffamierten die erfolglosen Gegner der Kubanischen Revolution deren anerkannten Führer, auch nachdem dieser vom Parlament zum Präsidenten des Landes gewählt worden war, als »Diktator«. Mit dieser Diktion wird der kubanische Revolutionsführer von Mainstream-Medien, die ihre Kundschaft ansonsten auf Kriege einstimmen, Mörderregime stützen und Folter verharmlosen, solange dies im Interesse der »richtigen Seite« geschieht, bis heute und auch noch nach seinem Tod zu diskreditieren versucht.

Über Kuba hinaus



Fidel Castro selbst hat sich gelegentlich dazu und zu Fragen des bürgerlichen Demokratiekonzepts geäußert. Mit dem brasilianischen Dominikaner und Befreiungstheologen Frei Betto sprach er über die »Demokratie« Athens, wo »das Volk sich auf dem Marktplatz versammelte, um die politischen Probleme zu besprechen. Wir bewunderten das«, sagte Fidel. Später habe er jedoch begriffen, »dass es eine kleine Gruppe von Aristokraten war, die sich auf dem Marktplatz traf, um Entscheidungen zu treffen, und dass es außer ihnen eine bedeutende Masse von Bürgern gab, die jeglicher Rechte beraubt waren«. Schließlich habe es noch die große Menge der Sklaven gegeben. Die Athener Demokratie, sagte der Revolutionsführer, erinnere ihn »sehr an die kapitalistische Demokratie heute«.

Das ihm von den Verteidigern eben dieser kapitalistischen »Demokratie« verpasste Etikett des »Diktators« wurde ihm auch dann noch angehängt, als er sich im August 2006 infolge einer schweren Erkrankung von allen Staats- und Regierungsämtern zurückzog und eine Gruppe von sieben Personen Fidel Castros Ämter und Funktionen übernahm. Als US-Präsident George W. Bush und konterrevolutionäre Organisationen die Kubaner daraufhin zu »militärischen oder zivilen Erhebungen« aufforderten, um die Regierung zu stürzen, erklärte der schwerkranke Fidel Castro in einer kurzen Botschaft an das Volk Kubas und die Freunde auf der Welt: »Das Land ist auf seine Verteidigung durch die Revolutionären Armeestreitkräfte und das Volk vorbereitet.«

Tatsächlich konnten die mächtigen Feinde weder mit Waffen noch mit Lügen etwas gegen das Bewusstsein und die Widerstandskraft der Mehrheit des kubanischen Volkes ausrichten. Die rund elf Millionen Kubaner erwiesen sich als stärker als die Millionäre, die zwar weiterhin in Washington und in den Spitzen der multinationalen Konzerne, dank Fidel aber nicht mehr im sozialistischen Kuba das Sagen haben. Fidel Castro hat die Mächtigen der Welt immer gestört und ihre Pläne oft genug durchkreuzt, in Kuba, in Lateinamerika wie auf dem restlichen Globus, wo er zum Symbol dafür wurde, dass eine andere Welt möglich ist.

Als Revolutionsführer hat Fidel Castro zunächst nur die Geschichte Kubas verändert. Er hat die Vergnügungsinsel, die bis dahin den Reichen als Bordell und Spielcasino diente, in einen selbstbewussten Akteur der Weltpolitik verwandelt. Das Ende der Apartheid in Südafrika wurde 1975 mit der von Fidel angeordneten und nach einer aufständischen Sklavin benannten »Operation Carlota« und dem Einsatz kubanischer Soldaten in Angola eingeleitet. Zahlreiche Kubaner haben ihr Leben im Krieg gegen das Rassistenregime geopfert. Außer bei der weißen »Herrenrasse«, die wie der Diktator Batista in Kuba durch die von Fidel geführte Revolution ihre Macht einbüßte, wird sein Name auf dem Kontinent überall mit Respekt und Dankbarkeit genannt.

Der Comandante en Jefe hat die Bewegung der Blockfreien ebenso inspiriert wie später den Integrationsprozess Lateinamerikas. Gemeinsam mit dem 2013 verstorbenen venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez entwickelte Fidel Castro das Konzept der vor zwölf Jahren gegründeten »Bolivarianischen Allianz für die Völker unseres Amerikas« (ALBA), eines lateinamerikanischen Staatenbundes, der eine soziale Verpflichtung des Handels, Zusammenarbeit in den Bereichen Gesundheit und Bildung, den Aufbau eines solidarischen Bank- und Finanzsystems, industrielle Kooperationen sowie Projekte im Kommunikations- und Medienbereich zum Ziel hat. Der Gründung der ALBA folgte im Februar 2010 – ebenfalls auf ein Konzept Fidel Castros zurückgehend – die Konstituierung der »Lateinamerikanischen und Karibischen Staatengemeinschaft« (CELAC). Diese Organisation – eine Alternative zur 1948 von den USA initiierten und dominierten OAS – besteht aus allen 33 Mitgliedsländern Lateinamerikas und der Karibik. Erstmals blieben die nicht dazugehörenden Staaten USA und Kanada außen vor. Ein gewaltiger Schritt für den Integrationsprozess Lateinamerikas und ein weiterer Erfolg des Comandante en Jefe.

Waffen gegen den Tod



In seinen letzten Lebensjahren warnte Fidel ­Castro zunehmend vor einer globalen Katastrophe: »Ich glaube, dass die Menschheit heutzutage in realer und wirklicher Gefahr des Aussterbens schwebt«, sagte er im November 2005 vor Studenten der Universität von Havanna. Er wiederholte seine Warnung auch in den Folgejahren, wie etwa auf dem VI. Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas im April 2016, und begründete sie mit der »zerstörerischen Macht der modernen Waffen«, den begrenzten Ressourcen von Trinkwasser und der zunehmenden Ungleichheit in der Welt. Kuba, so hatte Fidel bereits 2005 erklärt, habe sich nie mit der Produktion von Atomwaffen beschäftigt. Dies wohl auch, weil man nach der sogenannten Kuba-Krise 1962 zu der Erkenntnis gelangt war, dass das Land derartige Waffen nicht brauche. »Wir widmen unsere Ressourcen«, so sagte Fidel weiter, der Entwicklung von »Waffen, um den Tod zu bekämpfen, um AIDS zu bekämpfen, um Krankheiten zu bekämpfen, um Krebs zu bekämpfen«. Trotz anhaltender Blockade durch die USA und aller eigenen Schwierigkeiten engagiert sich die sozialistische Insel nach dem von Fidel Castro formulierten Motto »Wir geben nicht nur das, was wir übrig haben, sondern wir teilen, was wir haben. Das ist der Humanismus, der die kubanische Gesellschaft prägt.«

Viele Projekte wurden von Fidel Castro selbst initiiert. So behandeln zum Beispiel Zehntausende kubanische Mediziner Menschen in mehr als sechzig Ländern und den ärmsten Regionen der Welt. Durch das kubanische Hilfsprogramm »Misión Milagro« wurden Millionen vor dem Erblinden bewahrt, Zigtausende Kranke nach Kuba geflogen und dort kostenlos behandelt. Havanna fördert die Ausbildung ausländischer Ärzte und Spezialisten im Gesundheitswesen. Junge Menschen aus armen Ländern und Staaten, in denen ein Medizinstudium vor allem den Angehörigen der Oberschicht vorbehalten ist, erhalten in der am 15. November 1999 auf Initiative Fidel ­Castros gegründeten Lateinamerikanischen Hochschule für Medizin (ELAM) Studienplätze und Stipendien.

Nach Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika starrte die wohlhabende »westliche Staatengemeinschaft« noch wie das Kaninchen auf die Schlange, als Havanna bereits Hunderte freiwillige Helfer in die Region geschickt hatte. Auch die Geißel des Analphabetismus wurde dank Kubas Hilfe erfolgreich bekämpft. Mit dem Programm »Yo sí puedo« (Ja, ich kann es) lernten Millionen Menschen in aller Welt Lesen und Schreiben. »Wir besitzen eine andere Art von Atomwaffe«, hatte Fidel den Kubanern stets in Erinnerung gerufen und dabei auf »die Kraft der Solidarität und der Ideen« verwiesen. Vor den Studenten in Havanna forderte er im Jahr 2005 – nach seiner Warnung vor den globalen Gefahren – eine »Ideenschlacht auf Weltebene«. Und er prophezeite selbstbewusst: »Die Ideen werden siegen!«

Den Prinzipien treu




Als Ausdruck dieser Überzeugung wandte ­Fidel Castro sich, obwohl er die von ihm immer geforderte Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Havanna und Washington ausdrücklich begrüßte, Anfang des Jahres entschieden gegen jeden Versuch, die kubanische Jugend von den Zielen der Revolution abzubringen. US-Präsident Barack Obama hatte im März während seiner Rede im Großen Theater von Havanna mit – wie Fidel es nannte – »honigsüßen Worten« die Kubaner unter anderem dazu aufgefordert, ihre Vergangenheit zu vergessen. Bei diesen Worten, so der Comandante, lief »jeder von uns Gefahr, einen Herzinfarkt zu bekommen«. Er wolle dem US-Präsidenten einen »bescheidenen Vorschlag« unterbreiten, schrieb Fidel und empfahl Obama, »dass er reflektiert und nicht versucht, Theorien über die kubanische Politik zu entwickeln«.

Einen Monat später hielt Fidel Castro auf dem VII. Kongress der Kommunistischen Partei Kubas seine letzte Rede, die im kubanischen Fernsehen übertragen wurde. »Vielleicht ist es das letzte Mal, das ich in diesem Saal spreche«, erklärte er vor rund 1.000 bewegten Delegierten. Den Menschen im ganzen Land und Kubas Freunden in aller Welt stockte der Atem. Fidel Castro sprach ruhig, ernst und ohne Wehmut. »Bald wird es mir ergehen wie allen anderen. Alle kommen wir an die Reihe, aber die Ideen der kubanischen Kommunisten bleiben«, sagte er. Trotz dieser Worte sprach aus Fidels Rede der Optimismus des lebenslangen Kämpfers, der von der Kraft der Ideen überzeugt ist, die sich entfaltet, wenn diese zur kollektiven Gegenwehr führen.

Fidel Castro hat mit seinem Leben ein Beispiel dafür gegeben, dass es den Menschen möglich ist, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und die Welt nach eigenen Vorstellungen zu verändern und zu gestalten. Er hat sich dessen nie gerühmt. »Wenn es ein Verdienst geben kann«, sagte er im Gespräch mit Ramonet, auf sein mögliches Ende hinweisend, »dann liegt es in der Tatsache, beständig gewesen zu sein in der Treue zu den Ideen und Prinzipien.« Den Comandante en Jefe zu ehren heißt, seinen Kampf für eine andere, eine bessere Welt noch entschiedener und unermüdlicher weiterzuführen. Doch der Respekt vor Fidels Größe gebietet es auch, für einen kurzen Moment innezuhalten, sich vor seinem Beispiel zu verneigen und gemeinsam mit dem Volk Kubas zu versprechen: »¡Hasta Siempre, Comandante!« 

Sonntag, 27. November 2016

Ein Hoch auf den legendären T-34

Zum kürzlich veröffentlichten Thema „Der legendäre T-34“ schrieb mir ein User folgende Mail:
Hallo Harry!
Mit dem Panzer T-34 fasst Du … ein derart heißes Eisen an,
dass ich Dich für Deinen Mut bewundere!

Mein Vater, der im Krieg in Russland war, berichtete, dass die T-34 zu
'Walzen' pflegten, also die Soldaten in ihren Löchern totquetschten. Ob
sie das von sich aus taten, oder auf Befehl handelten, sei mal
dahingestellt, aber Du bedauerst immer nur die Panzerbesatzungen.
Es ist schon grausam, zu was Menschen in der Lage sind, vor allem, wenn
sie 'Waffen' zur Verfügung haben, die sich wiederum Menschen
'ausdenken', um andere Menschen zu vernichten!

Aus diesem Grunde sollte der T-34 nicht 'blankgeputzt' und
'schönrestauriert' ausgestellt werden, sondern als Mahnmal dafür dienen,
dass so etwas nie wieder stattfinden darf, mit allem Blut und Dreck im
Inneren und Äußeren des Panzers, um den Betrachtern nachdrücklich vor
Augen zu führen, was man mit solch einem Ding Grausames anrichten kann!
Antwort von Harry:
Zunächst: Gott sei Dank, dass es solch „grausames Zeug“ gab, sonst hätte die Welt die braune Pest heute noch am Arsch. Volle Übereinstimmung bei Mahnung. Das hat wohl drei Aspekte: 1. Die Verursacher von Kriegen und neuen Osterweiterungen fest im Auge zu behalten. 2. Verbrecher kann man weder mit Gebeten noch mit Lichterketten zur Vernunft bringen. 3. Wenn lahmgewordene Lämmer unterm Volk nicht aufwachen, ist den Leuten, die „eine neue Verantwortung für die Sicherheit“ glauben anstreben zu müssen, freie Hand gegeben.
Außerdem: Ein Mahnmahl sollte schon gepflegt werden, eben für die nachdenkliche und handelnde Nachwelt.

Gruß von Harry

Donnerstag, 24. November 2016

Nochmals: Trump, von Rainer Rupp

Entnommen: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23315



Nach der US-Präsidentschaftswahl


Donald Trump zu verhindern, wäre für die USA der Weg in die
Katastrophe


Von Rainer Rupp

Noch gibt es keinen neuen US-Präsidenten Trump. Die amerikanischen Bürger haben mit ihrer Stimme lediglich über die Wahlmänner entschieden. Nun fordern Demonstranten in den USA, dass die Wahlmänner am 19. Dezember Trump ihre Stimmen verweigern. Ein realistisches Szenario? Am Donnerstag, dem 10. November 2016, einen Tag nachdem Donald Trump – absolut konform mit dem US-Wahlrecht – den Sieg davon getragen hat, wurden in einigen deutschen Tageszeitungen bereits Überlegungen angestellt, wie man dem angeblichen „Lügner“, „Rassisten“, „Fremdenfeind“ und „Frauenhasser“ mit windigen Verfahrenstricks doch noch den Sieg stehlen könnte.

Als fadenscheinige Rechtfertigung für diese Überlegungen dienten die anhaltenden Proteste Zig-Tausender, meist junger Clinton-Anhänger, die sich selbst derart „links und progressiv“ dünken, dass sie lieber eine mehrfache Kriegsverbrecherin im Weißen Haus sehen als einen grabschenden Macho, der die US-Truppen aus dem Ausland zurückziehen will.

Laut der US-Wirtschaftsnachrichtenagentur „Bloomberg“ zeigen die landesweiten Demonstrationen "die tiefe Spaltung“ der Vereinigten Staaten. Polizeiangaben zufolge verliefen die Proteste größtenteils friedlich obwohl viele ins Netz gestellten Videos etwas anderes aussagen (z.B. hier und hier).

Von den Städten New England bis ins Landesinnere nach Kansas City und entlang der Westküste trugen viele Tausende von Demonstranten Anti-Trump Flaggen und Plakate: Sie blockierten den Verkehr und erklärten, dass sie sich weigerten, Trumps Sieg zu akzeptieren. Dabei waren die Trump-Hotels in den größeren Städten der magische Anziehungspunkt für die Proteste.

"Keine rassistischen USA, keinen Trump, keinen KKK."

In Manhattan versammelten sich etwa 1.000 Menschen vor dem Trump Tower auf der Fifth Avenue. Die Polizei hatte Barrikaden installiert, um die Demonstranten vor der Erstürmung aufzuhalten. Auch in Washington DC marschierten Demonstranten vor das dortige Trump International Hotel. Viele riefen: "Keine rassistischen USA, keinen Trump, keinen KKK."

In Chicago versammelten sich nach einer Sportveranstaltung Tausende auf der Straße vor dem Trump-Tower und skandierten: "Nicht mein Präsident!" Ähnliche Bilder gab es in Philadelphia. Hier jedoch demonstrierten Anhänger von Senator Bernie Sanders sowohl gegen Clinton als auch Trump.

Bernie Sanders war von Hillary gemeinsam mit dem Demokratischen Wahlausschuss mit miesen Tricks aus dem Rennen geworfen worden. In Boston forderte die Menge den „Rassisten“ Trump anzuklagen, ohne jedoch stichhaltige Gründe dafür anzugeben. Auch verlangten sie das System des „Wahl-Kollegiums" abzuschaffen.

Allerdings waren die Demonstrationen in Minnesota, in Des Moines, in Dallas, Portland, San Francisco und Los Angeles mit jeweils nur wenigen hundert Teilnehmern, meist Studenten, weitaus weniger eindrucksvoll.

Vor dem oben geschilderten Hintergrund sind die aktuell in den Medien diskutierten Kommentare über die Möglichkeit einer Farbenrevolution gegen die Trump-Präsidentschaft pures Wunschdenken. Das geht zumeist von hyperaktiven, „links“ angehauchten Aktivisten im Internet aus und entbehrt jedweder realen Grundlage. Nichts anderes als ein feuchter Traum ist auch die bei den Protesten in New York und anderen Städten aufgestellte Forderung, dass die Wahlmänner sich gegen Trump entscheiden sollten. Es ist diese Forderung, die jedoch in einigen deutschen Medien aufgegriffen und ausgewälzt wurde.

Wahlmännern „nur ihrem Gewissen verpflichtet“

So klagt „Die Welt“ in ihrer Ausgabe vom z.B. „Clintons Niederlage ist so bitter“, um dann anzumerken, dass – obwohl „Trump die entscheidende Mehrheit“ an Wahlmännern habe, „ein Großteil von denen nur ihrem Gewissen verpflichtet“ sei.

Tatsächlich findet die eigentliche Wahl erst am 19. Dezember durch die 538 Wahlmänner statt – geheim. Die Verkündung, wer tatsächlich der neue Präsident ist, erfolgt erst im Januar. In einem Anflug schierer Verzweiflung hofft das Springer-Blatt, dass, die Wahlmänner bis zur Entscheidung im Dezember noch „viel Zeit“ haben, um ihr Gewissen über Trump zu erforschen und ihn nicht zum Präsidenten machen.

Die freie Entscheidungsmöglichkeit der Wahlmänner gilt jedoch nur in knapp der Hälfte der US-Bundesstaaten. In 26 davon plus Washington DC sind die Wahlmänner gesetzlich verpflichtet, ihre Stimme dem Wahlsieger in ihrem jeweiligen Bundesstaat zu geben.

In der Geschichte der US-Demokratie haben Wahlmänner bisher nur extrem selten, und auch nur in Einzelfällen, von ihrer Entscheidungsfreiheit Gebrauch gemacht. Nach dem vorläufigen Endergebnis, an dem sich nichts mehr ändern wird, hat Donald Trump 289 Wahlmänner und Hillary Clinton 218. Um Präsident zu werden, braucht es 270.

Es ist gewagt, auf eine Massenflucht aus dem Lager der republikanischen Wahlmänner zu Clinton zu spekulieren. Allerdings hat ein demokratischer Wahlmann bereits öffentlich angekündigt, seine Stimme nicht für Hillary abzugeben.

Votum der Wahlmänner gegen Trump wäre gigantischer Wahlbetrug

Man kann den Amerikanern auf gar keinen Fall ein Szenario wünschen, in dem die Wahlmänner nicht Trump zum Präsidenten krönen. Für die Trump-Wähler, also für über 50 Millionen Menschen, käme dies einem gigantischen Wahlbetrug gleich. Und das würde in der gegenwärtig stark polarisierten, gesellschaftlichen Lage „Blut in den Straßen“ bedeuten.

Es gehört zum amerikanischen Selbstverständnis, dass man die Demokratie gegen die Herrschenden in Washington notfalls mit der Waffe in der Hand verteidigen muss. Und dazu haben sich in den letzten Jahren immer mehr Menschen bereit erklärt und entsprechend vorbereitet.

Zugleich gehört ein sehr großer Teil der Ordnungskräfte, das einfache Personal von Polizei und Nationalgarde, zu den Trumpwählern. Donald Trump jetzt noch zu verhindern, wäre für die USA der Weg in die Katastrophe.


Mit freundlicher Genehmigung übernommen von RT Deutsch – Erstveröffentlichung am 11.11.2016

Siehe in dieser Ausgabe der NRhZ auch:

Perspektiven mit US-Präsident Trump
Obama-Ära überwinden
Von Luz María De Stéfano Zuloaga de Lenkait
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=23312