Dienstag, 17. Oktober 2017

Neues über EISZEIT-BLÜTEN-BUCH

"EISZEIT-BLÜTEN" ab sofort mit größerer Schrift


Harry Popow: „EISZEIT-BLÜTEN. ROTE-NELKEN-GRÜßE AUS BLÜHENDEN LANDSCHAFTEN“, Taschenbuch: 508 Seiten, Verlag: Independently published (17. September 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 1549766864, ISBN-13: 978-1549766862, Größe und/oder Gewicht: 14 x 3,2 x 21,6 cm, Preis: 12,50 Euro

USA-Krise als Brandbeschleuniger


Trump, der Iran und das Streben der USA nach Weltherrschaft


VERÖFFENTLICHT VON LZ ⋅ 17. OKTOBER 2017


von Keith Jones – http://www.wsws.org

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump am Ende einer aggressiven und unaufrichtigen Rede angekündigt, er werde das Atomabkommen mit dem Iran von 2015 aufkündigen, wenn es nicht nach den Vorgaben der USA umgeschrieben wird.

Die Rede war beispielhaft für die Arroganz und Kriminalität der herrschenden Klasse in den USA. Trump warf dem Iran vor, er würde „im Nahen Osten und darüber hinaus Konflikte, Terror und Unruhe schüren“. Und das aus dem Munde des Präsidenten jenes Landes, das unendliches Leid über die Bevölkerung des Nahen Ostens gebracht hat! Die US-Angriffskriege in Afghanistan, dem Irak, Libyen und Syrien haben Millionen Menschen das Leben gekostet, weitere Millionen zu Flüchtlingen gemacht und ganze Gesellschaften zerstört.

Trump verurteilte die iranische Revolution von 1979, erklärte den von Klerikern regierten bürgerlichen Staat Iran in der Weltpolitik für vogelfrei und stellte die USA als Beschützer der demokratischen Rechte des iranischen Volkes dar.

Doch die iranische Bevölkerung hat nicht vergessen, dass die CIA 1953 einen Putsch gegen den gewählten Präsidenten Mohammad Mossaddegh organisiert und die brutale Diktatur des Schahs installiert hat, die von Washington 25 Jahre lang an der Macht gehalten wurde. Ebenso wenig hat sie vergessen, dass die USA in den letzten vier Jahrzehnten eine unerbittliche Kampagne gegen den Iran geführt haben. Sie haben dem Land immer wieder mit Krieg gedroht, Bagdad im Ersten Golfkrieg von 1980–1988 unterstützt und verheerende Wirtschaftssanktionen verhängt, die unter Obama in einen offenen Wirtschaftskrieg mündeten.

Trump hat deutlich gemacht, dass er nicht über seine Forderungen nach „Korrekturen“ der „vielen Fehler“ des Atomabkommens verhandeln wird. Sie sind faktisch ein Ultimatum an Teheran, sich einseitig zu entwaffnen, während die USA eine ganze Armada von Schiffen im Persischen Golf stationiert haben und ihre Verbündeten Saudi-Arabien und Israel bis an die Zähne bewaffnen. Der Iran müsste außerdem dauerhafte Einschränkungen seiner Souveränität und seine faktische Degradierung zu einem Vasallenstaat hinnehmen.

Die USA fordern vom Iran, die strengen Einschränkungen seines zivilen Atomprogramms dauerhaft festzuschreiben, statt sie elf Jahre nach Abschluss des Abkommens zu lockern; den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde ungehinderten Zugang zu militärischen Einrichtungen zu geben; und sein Raketenprogramm einzustellen.

Die europäischen Regierungschefs reagierten verärgert auf Washingtons Vorstoß. Sie werfen Trump vor, sich nicht an geltendes Gesetz zu halten, ein atomares Wettrüsten weltweit zu befeuern und die Kriegsgefahr im Nahen Osten und auf der koreanischen Halbinsel zu verschärfen. Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel warnte, wenn die USA auf diesem Weg beharren, würden sie „die Europäer in der Iran-Frage in eine gemeinsame Position mit Russland und China gegen die USA bringen“.

Es ist noch unklar, was als nächstes passiert. Ein Großteil des amerikanischen politischen Establishments und des Militär- und Sicherheitsapparats, einschließlich Trumps höchster Berater Verteidigungsminister James Mattis, Außenminister Rex Tillerson und der Nationale Sicherheitsberater H.R. McMaster, haben Trump davon abgeraten, das Abkommen mit dem Iran aufzukündigen. Mattis und Generalstabschef Joseph Dunford hatten letzte Woche vor dem Kongress zugegeben, dass sich der Iran an das Atomabkommen hält, und erklärt, dessen Fortbestand sei im Interesse der USA.

Trumps Generäle sind keineswegs weniger entschlossen, den Iran zu unterwerfen und die Hegemonie der USA über den Nahen Osten – der wichtigsten Erdöl exportierenden Region der Welt und einer strategischen Achse zwischen Asien, Afrika und Europa – zu sichern.

Auch bei Trumps Kritikern in den Reihen der Demokratischen Partei und den Medien sieht es nicht anders aus. Die New York Times und die Washington Post haben immer wieder zu einer aggressiveren militärischen und diplomatischen Offensive gegen den Iran gedrängt, vor allem in Syrien, wo Teheran eine wichtige Rolle bei der Niederlage der US-gestützten islamistischen Kräfte gespielt hat. Die Washington Post schrieb am Sonntag in ihrem Leitartikel unter der Überschrift „Trump hat einen gefährlichen Kurs gegenüber dem Iran eingeschlagen“, der Präsident habe eine „geopolitische Dummheit“ begangen, und warf ihm vor, er habe „keinen klaren Plan, was er gegen die militärische Festigung des Iran in Syrien tun kann, die einen neuen Konflikt mit Israel auslösen könnte“.

Die Differenzen in der herrschenden Elite sind zwar scharf, aber ausschließlich taktischer Natur. Sie drehen sich um die Frage nach dem geeigneten Ziel und Timing des nächsten US-Kriegs. Gleichzeitig wachsen die Sorgen, ein Showdown mit dem Iran könnte Washingtons militärisch-strategische Offensive gegen China und Russland schaden und die Spannungen mit Amerikas traditionellen europäischen Verbündeten verschärfen. Diese spielen durch die Nato weiterhin eine wichtige Rolle bei der internationalen Durchsetzung amerikanischer Machtinteressen, vor allem gegen Russland.

Der Widerstand gegen Trumps Plan, das Abkommen mit dem Iran aufzukündigen, steht im Kontext des internen politischen Kampfs in Washington, der sich mittlerweile so weit verschärft hat, dass offen darüber diskutiert wird, Trump unter Einsatz des 25. Zusatzartikels der Verfassung abzusetzen.

Trump plant außerdem, die Vorherrschaft der Wall Street über das globale Bankensystem und den Zugang zu den amerikanischen Märkten als Druckmittel zu benutzen, um die Europäer zu neuen Sanktionen gegen Teheran zu zwingen. Somit droht die Iran-Frage, die schon jetzt heftigen wirtschaftlichen Konflikte zwischen den USA und Europa, vor allem Deutschland, noch weiter anzuheizen. Die europäischen Mächte sprechen bereits von Vergeltungsmaßnahmen.

In ihren internationalen Raubzügen stehen die europäischen Imperialisten den USA jedoch in nichts nach. Sie waren wichtige Partner Washingtons im Wirtschaftskrieg gegen den Iran. Doch der neuerliche Konfrontationskurs der USA gegen Teheran bedroht ihre eigenen Pläne, Milliarden in den Iran zu investieren und das Land mit den viertgrößten Ölreserven und den größten Erdgasvorkommen der Welt wirtschaftlich auszunutzen. Zudem fürchten sie aufgrund ihrer Nähe zum Nahen Osten und ihrer Abhängigkeit von Ölimporten aus der Region die destabilisierenden Folgen eines weiteren US-Kriegs, in den schnell auch Atommächte wie Russland und China hineingezogen werden könnten.

Trumps Politik wirkt wie ein Brandbeschleuniger, aber die eigentliche Ursache für die Konflikte innerhalb der herrschenden Elite über den Kurs gegenüber dem Iran und die allgemeine imperialistische Strategie ist die tiefe politische Krise in den USA. Seit der Auflösung der Sowjetunion hat Amerika versucht, den Niedergang seiner wirtschaftlichen Stärke durch Angriffskriege auszugleichen. Doch diese Politik ist gescheitert.

Die USA haben in ihrem Streben nach Weltherrschaft den Nahen Osten verwüstet. Der Iran war eines der Hauptziele amerikanischer Aggression. Doch obwohl US-Truppen beide Nachbarstaaten Afghanistan und den Irak besetzten, konnte der Iran seinen Einfluss ausweiten. Gleichzeitig haben sich Russland und China zu wichtigen wirtschaftlichen und geopolitischen Akteuren im Nahen Osten entwickelt und dort Washingtons Pläne in Syrien durchkreuzt. Wie zuvor in Libyen versuchen die USA die syrische Regierung durch islamistische Stellvertretertruppen zu stürzen.

Der US-Imperialismus reagiert auf diese Rückschläge, indem er seine Kriegspläne verschärft und sich direkt gegen seine wichtigsten Rivalen stellt, vor allem gegen Russland und China. Europa und Japan betreiben ihrerseits eine rasante militärische Aufrüstung, um ihre eigenen imperialistischen Interessen gegen die USA durchzusetzen.

Die Menschheit ist mit der realen und akuten Gefahr konfrontiert, von den imperialistischen Mächten in einen Dritten Weltkrieg gezogen zu werden, in dem auch Atomwaffen zum Einsatz kommen würden.

In den herrschenden Klassen der Großmächte gibt es keine „Friedensfraktion“. Die einzige gesellschaftliche Kraft, die den Kurs auf eine nukleare Massenvernichtung aufhalten kann, ist die internationale Arbeiterklasse. Sie muss auf der Grundlage eines sozialistischen und internationalistischen Programms mobilisiert werden, um für die Abschaffung des Kapitalismus, der Ursache von Krieg, sozialer Ungleichheit und Diktatur, zu kämpfen. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale baut eine internationale Antikriegsbewegung auf, die sich auf diese revolutionäre Perspektive stützt.

http://www.wsws.org/de/articles/2017/10/17/iran-o17.html



Samstag, 14. Oktober 2017

IN MEINER EINSAMKEIT... Ein Hanna - Gedicht

Denen, die nach uns kommen

In meiner Einsamkeit
denke ich an den einen, der sich
schon lange entfernt hat von mir und
mich in sein Erinnerungsetui
gesperrt hat, das er sorgsam
im Schatten hält.

Was bleibt?
Ich lese. Lese die Illusionen,
die wir uns machen, lese von Kriegen
und Not, von Lüge und Beschwichtigung,
mit denen sie uns stillhalten.
Ermüdend diese Lektüre.

Ein giftiger Pilz
über allem das ausgesprochene
und unausgesprochene Verbot, Widerspruch
zu denken. Als seien wir Gefolgsleute
ihrer entsetzlichen Vorhaben,
mit denen sie uns zerstören wollen.

Ich trete vor den Spiegel,
und ich sehe eine Verzweifelte.
Mein alter Körper schmerzt,
mehr aber noch das Ahnen dessen,
was nach uns kommt, das wir, die Alten,
nicht verhindert haben.

14.10.17


Ein Hanna – Gedicht
(Hanna, Mitautorin des Buches "EISZEIT-BLÜTEN")

Freitag, 13. Oktober 2017

Weit entfernt von VERNUNFT

Entnommen:
https://www.jungewelt.de/artikel/319911.blut-und-bl%C3%B6der.html



Blut und blöder


Zum Kinostart der Filmkomödie »Vorwärts immer!«


Von Matthias Krauß

Frühjahr 1986, Studentenfete in Leipzig. Als Absolvent der Sektion Journalistik war ich für den Start ins Berufsleben nach Potsdam vermittelt worden, genau wie ein Absolvent der Theaterhochschule »Hans Otto«. In welchem Stadtteil er denn wohnen werde, fragte ich diesen Schauspieler. Ach, in Babelsberg. Kleiststraße 3? Ja, ich auch.

Jörg Schüttauf wohnte im Dachgeschoss. Bei ihm drang das Wasser von oben ein, bei mir im Parterre kam die Feuchtigkeit aus dem Keller. Wir haben in jenen Jahren häufig mal einige Gläser zusammen geleert. Er führte berechtigte Klage über die Zustände im Honecker-Staat, und ich bemühte mich, ihm darzulegen, dass der Sozialismus bei alldem seine Vorzüge hat und es sich lohnt, um ihn zu kämpfen. Wir haben uns wohl beide prächtig amüsiert. Dass Schüttauf einmal den Politiker Honecker spielen würde, war unvorstellbar.

Nun ist »Vorwärts immer!« mit ihm in dieser Rolle in die Kinos gekommen. Wie soll das funktionieren? fragt man sich unwillkürlich, die Gesichtszüge des »Zitronenmündchens« (Eberhard Esche über Honecker) und die rustikalen des Jörg Schüttauf sind kaum zu verwechseln. Zumal der Arbeiterjunge aus dem Saarland eher schmächtig war und der Arbeiterjunge aus Karl-Marx-Stadt eher stattlich ist. Aber simple Attribute wie Brille, Hut, Frisur reichen, und der Honecker-Schüttauf wird abgenommen. Auch Brecht besetzte gegen den Typ.

Die Story von »Vorwärts immer!«: Um Schlimmeres zu verhindern, macht sich der Schauspieler Otto Wolf in den letzten Tagen der DDR seine Ähnlichkeit mit Staatschef Honecker zunutze und dringt in dessen Arbeits- und Privatsphäre ein mit dem Ziel, den friedlichen Verlauf der Entwicklungen zu sichern. Das führt zu komischen Verwicklungen, nichts klappt auf Anhieb und alles kommt immer ganz anders. Schließlich landet Otto in Margots Schlafzimmer. Der »echte« Honecker mischt auch noch mit, so dass für Turbulenzen gesorgt ist.

»Von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last«, lässt Goethe im »Faust« den Herrgott sagen. Von allen Filmen, die mit der DDR abrechnen, sind die Klamotten noch die erträglichsten, möchte man abwandeln. Die Pointen des Film sitzen, er ist schwungvoll inszeniert und geschnitten, sehr anspruchsvoll geht es nicht zu. Honeckers Nuscheln oder die Schneidezähne des Egon Krenz sind der Stoff, aus dem die Pointen gemacht sind. Eine Gelegenheit mehr, diese Politiker als Idioten vorzuführen, als Hanswürste im Fürchterlichen. Margot Honecker (Hedi Kriegeskotte) zieht als Schneekönigin die Fäden, an denen ein seniler Erich zappelt. Die Staatssicherheit darf nicht fehlen, vorgeführt als Mix aus Blödheit und Blutgier, immerhin wird die Lust am Genickschuss zur Abwechslung von einer Frau verkörpert.

Wenn es diesen Leuten Spaß macht, auf dem toten Löwen herumzuhüpfen, dann sollen sie es tun. Ein Lustspiel lebt von Verzerrungen, Überdrehungen, mitunter von reinem Blödsinn. Den deutschen Aufarbeitern wird der Film gefallen, er hantiert mit den groben geistigen Klötzen, aus denen ihre Kirche errichtet ist: Einst war es schlecht, heut’ ist es gut. Zwei DDR-Jungen treten auf, sich sehnend nach einem Leben, in dem niemand ihnen etwas vorschreiben kann. Welches Leben sie nach der Wende auch geführt haben mögen – ein solches ganz bestimmt nicht. Millionen Ostdeutsche sind nach 1990 in Zwänge geraten, von deren Existenz sie sich bis dahin keine Vorstellung machen konnten. Die Bedrückung wurde für sie mehr ausgewechselt als abgeschafft. Wann werden sich Deutschlands Filmschaffende mal dieser Wahrheit stellen?

Soweit läuft noch das Übliche ab, in Grenzen unterhaltsam, nicht weiter der Rede wert. Ein komischer Film hat vielleicht sogar Anspruch darauf, nicht allzu ernst genommen zu werden. Allerdings kommt hier noch etwas Schwerwiegendes ins Spiel. »Vorwärts immer!« basiert auf der ernsthaft vorgebrachten Behauptung, die DDR-Führung habe im Herbst 1989 den Befehl gegeben, friedliche Demonstranten in Leipzig zu erschießen. Das setzt und hält die Handlung in Gang. Und hier hört der Spaß auf. Diesen Befehl gab es nicht, auch wenn die deutsche Aufarbeitungsindustrie Gold und Perlen für einen diesbezüglichen Beweis bezahlen würde. Jörg Schüttauf hätte wissen können, wessen Geschäft er hier betreibt. Dass er sich für ein solches Produkt hergegeben hat, ist enttäuschend. Ich hatte gehofft, mit meinen Appellen in der feuchten Wohnung vor 30 Jahren mehr durchgedrungen zu sein.

Als er in der DDR zur Schule ging, stand das Drama »Professor Mamlock« auf dem Pflichtprogramm. Darin lässt der Dichter Friedrich Wolf den jüdischen Professor sagen: »Man hat im Kampf auch den schärfsten Gegner zu achten und ihm nicht Infamien zuzutrauen, deren man vielleicht selbst fähig ist.«

Wenn im Film »Vorwärts immer!« die Künstlerin Josefine Preuß die neue Zeit als liebende deutsche Mutter empfängt, deren Kind nicht im DDR-Elend, sondern in der lichten Freiheit aufwachsen soll, dann kann ein künstlerisches Bild kaum stärker verunglücken bzw. mit der geschichtlichen Wirklichkeit kollidieren. Denn Kinder bekamen die Leute in der DDR und nicht in der 1990 errungenen »Freiheit«. Auf die reagierten die Ostdeutschen mit einem Gebärstreik, der in der Weltgeschichte seinesgleichen sucht. In den zehn Jahren vor der Wende sind anderthalb Millionen ostdeutsche Kinder mehr geboren worden als in den zehn Jahren danach.

Auch wenn noch 300 solcher Streifen »auf den Markt geworfen« werden, sie schaffen die historischen Tatsachen nicht aus der Welt. Und der Sieg der Vernunft wird der Sieg der Vernünftigen sein.





Montag, 9. Oktober 2017

Im Spinnennetz der Geheimdienste

Lieber Herr Popow,

am vergangenen Freitag, den 6.10., haben wir in der Bundespressekonferenz das Buch „Im Spinnennetz der Geheimdienste. Warum wurde Olof Palme, Uwe Barschel und William Colby ermordet?“ von Patrik Baab und Robert E. Harkavy vorgestellt. Wir haben die Veranstaltung aufgezeichnet, hier ist der Mitschnitt und ein Pressetext – vielleicht können Sie ja im Nachhinein noch etwas dazu machen? Mittwoch ist der 30. Todestag Barschels, das Video kann gern gepostet, geteilt, onlinegestellt werden …

Buchvorstellung „Im Spinnennetz der Geheimdienste“, Berlin, 6.10.2017

Diesen Mittwoch, den 11. Oktober, jährt sich der Tod Uwe Barschels zum 30. Mal. Patrik Baab, Fernsehjournalist aus Kiel, und Robert E. Harkavy, Politik-Professor aus den USA, untersuchen in ihrem neuen Buch „Im Spinnennetz der Geheimdienste“ nicht nur die bis heute ungeklärten Hintergründe von Barschels Tod, sondern auch die zweier anderer politischer Morde des vergangenen Jahrhunderts: die an Olof Palme und William Colby. „Tote können nicht mehr sprechen. Das ist in allen drei Fällen der Grund, warum sie sterben mussten“, so Baab. „Wir haben streng vertrauliche Dokumente mehrerer Geheimdienste herangezogen und ausgewertet, und wir haben mit Geheimdienstlern, Ex-Spionen und Geheimdienstkontrolleuren aus sieben verschiedenen Staaten gesprochen.“ Sie führen die drei Todesfälle zusammen vor dem Hintergrund der Iran-Contra-Affäre und eines Schattenkrieges der CIA, dessen größter Teil immer noch im Dunkeln liegt.
Heinrich Wille, Chefermittler im Falle Barschel, sieht hier die Beteiligung eines Geheimdienstes ebenfalls als erwiesen an: „Es ist ganz eindeutig, dass Uwe Barschel Kontakte zur CIA hatte. Das wurde uns über das Landesamt für Verfassungsschutz mitgeteilt und auch die CIA hat schriftlich bestätigt, dass es einen Kontakt gab.“ Der Nachweis des Lösungsmittels Dimethylsulfoxid, das Gifte durch die Haut befördert, ist für Wille der Beweis, dass Uwe Barschel durch einen professionellen Mörder zu Tode gekommen sein muss. Doch die verantwortlichen Oberbehörden in Schleswig-Holstein bremsten die Ermittlungen aus bis hin zu Vertuschung und Geheimnisbruch. Autor Baab sagt: „Uwe Barschel führte ein Doppelleben. Er hatte Kontakte zu Geheimdiensten und war eingebunden in den verdeckten internationalen Waffenhandel.“
Olof Palme wurde auf offener Straße erschossen. Die Autoren können anhand von Dokumenten belegen, dass die NATO-Geheimarmee Stay-behind den Mord organisiert hat, und sie kennen den Decknamen des Mörders. Bei Uwe Barschel und William Colby deutet die Indizienkette ebenfalls klar auf Mord. Doch es fehlen Kettenglieder. Der Grund laut Baab und Harkavy: In allen drei Fällen haben Regierung und Geheimdienste die Ermittlungen massiv beeinflusst, gab es regierungsamtliche Vertuschungsaktionen. Dokumente und Hinweisgeber aus mehreren Geheimdiensten belasten die CIA schwer: „Wir haben es mit gezielten Tötungen zu tun. Sie waren Teil einer großangelegten ‚Säuberungsaktion‘, bei der missliebige Zeugen aus dem Weg geräumt wurden, die der Spitze der Befehlskette hätten gefährlich werden können.“

Weitere Informationen zum Buch: https://www.westendverlag.de/buch/im-spinnennetz-der-geheimdienste/

Beste Grüße
Rüdiger Grünhagen

Rüdiger Grünhagen
Westend Verlag GmbH
Neue Kräme 28
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Zu „Im Spinnennetz der Geheimdienste“


Es ist längst kein Geheimnis, dass die ELITEGRUPPIERUNGEN KAPITAL – MEDIEN – GEHEIMDIENSTE (plus MILITÄR) – ein ökonomisches und politisches Netzwerk zur Durchsetzung ihrer geostrategischen- und Profitinteressen bilden. Somit finden die gesellschaftskritischen Sachbücher „FASSADENDEMOKRATIE UND TIEFER STAAT“ sowie „Lügen die Medien?“ (Hrsg.: Ullrich Mies und Jens Wernicke im ersteren sowie Jens Wernicke im zweiten Buch) in diesem hochbrisanten Beitrag „IM SPINNENNETZ DER GEHEIMDIENSTE“ ihre kapitalismuskritische und entlarvende Fortsetzung. Das Ganze wirkt wie ein erweckender Paukenschlag im von den Eliten fabrizierten Krieg um die Köpfe der Menschen. Den Machern also ein herzliches Dankeschön für diese politische und dem Frieden dienende aufklärerische Arbeit. Es ist hohe Zeit, dem entgegenzuwirken. Harry Popow 

Sonntag, 8. Oktober 2017

Zum Buchtipp "Lügen die Medien"

User Lotti zu „Gezüchtete Unschärfen“

Hallo Harry! Die Verlogenheit kapitalistischer Propaganda ist immer unterschwellig mein Interesse gewesen, seit ich vor ca 50 Jahren in der DB in Leipzig von Vance Packard "Die geheimen Verführer" gelesen habe. Der Amerikaner beschäftigt sich dort mit der Hintersinnigkeit und Manipulation bei der Werbung. Das war der erste Hinweis für mich, dass hinter bestimmten Äußerungen in der Werbung ein gezieltes Interesse besteht, mir eine Meinung und bestimmte Handlungsweisen aufzudrängen, auch wenn sie unter Umständen gegen mich gerichtet sind. Das Buch war ein Aha- Erlebnis für mich, wenn mir auch nur das kleine Beispiel von der Zahnpasta - Werbung genau erinnerlich ist. Aber die im Beispiel aufgezeigte Methode als Beeinflussung des modernen Menschen fand ich immer wieder in gesellschaftlichen und politischen Bemühungen der kapitalistischen Gesellschaft, immer ausgefeilter, politisch immer dringlicher und gefährlicher. So habe ich mit Vergnügen die Bücher des Journalisten Thomas Wieczorek gelesen, die ich mir auch gekauft habe. Ein Großteil der Bücher befindet sich jetzt bei einem Freund, der kein Widerstandskämpfer war, im Gegenteil mit der "Firma" zu DDR- Zeiten als Verlagsmitarbeiter beim ND/Nord seine Probleme hatte. Von dem, was er nun eingetauscht hat, ist er zutiefst enttäuscht und wenn wir aufeinandertreffen beharken wir uns nach allen Regeln der Kunst, freundschaftlich und mit gegenseitiger Achtung. Ich habe ihm die Bücher geschickt als Beleg meiner Einsichten, wenn auch der Wieczorek nie gegen seinen Staat auf die Barrikaden gegangen wäre, seine Einsichten waren lesenswert.

Nun passt Du mit dem Tipp zum Wernickebuch „Lügen die Medien“, sozusagen als Krönung meiner politischen Haltung, ganz genau an die Spitze dieser Gedankenreihe, die mich immer begleitet hat. So wie meine Großmutter mir immer einschärfte : „Lotti, misstraue dem, der sagt, ich will dein Freund sein, das habe ich für mich als Erfahrung behalten.“ Lotti, misstraue dem, der dir Honig ums Maul schmiert. Diese genannten Bücher haben mir dabei geholfen und nun will ich genau wissen, wie es Jens Wernicke als Herausgeber mit progressivem Gedankengut, vielleicht auch mit Taten, hält. Morgen früh rufe ich meine nette Buchhändlerin an, sie bringt mir meine Bücher auch ins Haus...

Du zitierst einen Foreninhaber, der kritische Buchtipps, auch zu „Fassadendemokratie“, strikt ablehnt, mit folgenden Worten:
Bezugnehmend auf mein Recht als Former "meines" Forums verlege ich diesen Text, (…), weil er deutlich weniger Rezension als vielmehr Propaganda mit einem Buch als "Beweismittel" ist.

Dieser Kritikaster, dem der Inhalt nicht passt, versucht über die Form zu treffen. Du lachst mit Recht. Mancher kluge Geist wurde bespuckt von solchen sozial rechts angesiedelten Geistern, deren Enkel/Nachkommen große Feste heute für ihn ausrichten. Geh ruhig mit Deiner Nase über die Primitivlinge, die verschwinden früher oder später allesamt in der Versenkung.

(User Lotti ist Mitautorin im soeben veröffentlichten Buch „EISZEIT-BLÜTEN“)

Dienstag, 3. Oktober 2017

Gezüchtete Unschärfen - Rezension

Lügen die Medien? Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung

Gezüchtete Unschärfen

Buchtipp von Harry Popow

Den Blick in die Welt könne man mit einer Zeitung versperren, so ein Aphorismus. Von wegen. In die große Welt schon, aber nicht in die kleine. Da wirst du überhäuft mit guten Ratschlägen für´s Kochen, für´s Make-up, für´s Wohlbefinden im Schlaf, für tollen Sex, für Gartenpflege und, und, und... Banales und flach Gebürstetes haben Hochkonjunktur, also simple, alltagsnahe Botschaften, wie es im Buch „Lügen die Medien....“ heißt, und der überaus brave Bürger ist´s zufrieden. Oder? Mehr noch, nach den armseligen Wahlen klatscht er noch in die Hände und jubelt den Herrschenden zu: „Weiter so!“ 87 Prozent haben da keine Bedenken.
Wer schreit da nach einem tieferen Blick in die politische Welt? Wer ist da unzufrieden mit gewissen Medien, die interessierten Bürgern Wahrheiten verwehren? Was ist los? „Lügen die Medien?“, fragt der Herausgeber Jens Wernicke, Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien), 24 Journalisten, Wissenschaftler sowie maßgebende Leute aus der Zivilgesellschaft.


Das Anliegen dieses Buches sei es, so der Herausgeber auf Seite 8, einen Beitrag zu schaffen, der „über Einzelfallkritik und Einzelmeinung weit hinausgeht und ein Verständnis für die Komplexität unserer gesellschaftlich-sozialen Misere“ leistet. Und so stellt er bereits in der Einleitung, Fabian Scheidler zitierend, fest: „Das bisherige System permanenter Akkumulation von Reichtum und Macht in den Händen einiger weniger ist an seine Grenzen gestoßen.“ Die Verschleierung ihrer Motive, um ihr Vorgehen zu legitimieren, die Akkumulation im globalen Maßstab durch Enteignung, dies brauche die Elite, ,,denn sonst zerbrächen die bestehenden Verhältnisse in kürzester Zeit“, so Jens Wernicke. (S. 9)


Den Rezipienten fällt es leicht, die 368 Seiten im Überblick zu behalten, befragt der Herausgeber die 24 Autoren doch zielgerichtet in der Form von Interviews. Nach jeweils einer kurzen Einleitung zum Thema stellt er etwa zehn bis 15 Fragen. Dabei kommen nicht nur die Bezeichnung Lügenmedien, die Hintergründe und Absichten der ökonomischen und politischen Macht, deren Methoden der Manipulation, die Rolle jedes einzelnen Journalisten sowie das Verhalten der Nutzer – sprich der Hörer, Leser und Zuschauer – zum Tragen, sondern auch die persönlichen Meinungen und Erfahrungen jedes einzelnen Autors. Dabei knüpft Jens Wernicke an die jeweils von seinen Interviewpartnern veröffentlichte Literatur an. Das ermöglicht den Lesern, die Gleichheiten als auch manche Unterschiede in der Wahrnehmung zu erkennen. Statistiken veranschaulichen die wachsende Macht der Medien. Eine besondere Rolle kommt den Beispielen der Manipulationsmethoden zu, an denen es in keinem der Interviews mangelt.


Die fundierten Antworten der Interviewpartner ergeben insgesamt ein schauriges Bild von der Verfasstheit der Medien, von ihrer Abhängigkeit von den Herausgebern, vom Mainstream, von den Geldgebern in den Hinterstuben des Etablissements. Obwohl es in der Einschätzung, ob die Medien allesamt lügen, unterschiedliche Positionen gibt, sind sie sich in der Mehrzahl einig, dass die Eigentumsverhältnisse den grundlegenden Nährboden für Diffamierungen, Lügen, Verfälschungen und für das Verschweigen von politischen Zusammenhängen bilden.


Drahtzieher & Begehrlichkeiten 


Keinesfalls, und das kommt glasklar zum Ausdruck, dürfen die Medien isoliert von den Machtverhältnissen betrachtet werden. S. 152: Man dürfe die Rolle der Medien nicht auf Fragen spezifischer Missstände, nicht „isoliert von Fragen gesellschaftlicher Macht- und Herrschaftsbeziehungen“ behandeln. Die Schlacht um die Köpfe ist kein ausgesuchtes Spielfeld für Langweiler oder Profitmachern alleine. Sie, die Elite, die Kapitaleigentümer, die Politik – ihnen sitzt der Druck im Nacken, das vom Einsturz bedrohte Kapitalgebäude zu stützen, die Zuschauer und Leser zur Anpassung, ja, zur Bejahung von Kriegseinsätzen unter der Fahne der größeren Verantwortung Deutschlands in der Welt zu verführen.


Die Ideologie ist durchschaubar: Auf Seite 88 heißt es, den Antikommunismus verpacke man nicht mehr „pro deutsch“, sondern „prowestlich“. Es sei die Funktion der Medien, die Leute von Wichtigem abzuhalten. (S. 109 und 111) In den USA befänden sich an der Spitze der Machtstruktur der Privatwirtschaft die profitablen Unternehmen wie New York Times und CBS, „einer extrem tyrannischen Struktur“. S. 137: Medien dienen vorrangig dazu, „den gesellschaftlichen und ökonomischen Status derer zu stabilisieren, in deren Besitz sie sind oder von denen sie ökonomisch abhängig sind“. Es gehe insbesondere darum, die politische Weltsicht der Eliten zu vermitteln. Das bestimme die Auswahl und Interpretation von Fakten. Marktkräfte könne man nicht abwählen, man könne sich „ihnen nur anpassen und unterwerfen“ (S. 143) Auf die Frage nach der politischen Ökonomie, der gewichtigsten Ursache, wird geantwortet: Die journalistische Repräsentation des Weltgeschehens sei nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen. Eher sei es ein „Ursachengeflecht“ von kulturellen Fragen über Geschlechterdispositionen bis zu Bildungslücken. Auf Seite 329 wird gezeigt, wie Kritiker als Verschwörungstheoretiker angefeindet werden. (S. 276)


Die erste Freiheit der Presse besteht darin, kein Gewerbe zu sein“, schrieb Karl Marx 1842 in der Rheinischen Zeitung. „Doch die Freiheit des Gewerbes hat gesiegt, Medien unterliegen der totalen Kommerzialisierung. (…) Verflachung durch Quote überwiegt.“ Er hat die Grundsätze dieser Misere bereits vor langer Zeit einmal trefflich zusammengefasst, als er formulierte: Die der herrschenden Klasse sind in jeder Epoche die herrschenden Gedanken...“ Und weiter auf S. 334: „Im Kern geht es um das Verfügungsrecht über privates Eigentum im Medienkomplex: Der Eigentümer des Mediums hat die uneingeschränkte „Deutungshoheit“ über das, was er für Wahrheit hält. S. 335: Es gehe um eine marktradikale und regierungsfreundliche Gesamtideologie. Ein Denken in Alternativen, ein Aufgreifen abweichender Meinungen – das sei zumeist eine Fehlanzeige.


Krieg auf leisen Sohlen


Natürlich wird sich die Elite hüten, die Verdummungspraktiken offen darzulegen. Um so eindringlicher weisen die Autoren in diesem Buch nach: Die planmäßige Zerstörung des Sozialstaates „wäre ohne eine planmäßige Vergiftung der Sprache und des Denkens nicht möglich“. (S.143) S. 233: „Tatsächliche Verantwortungsübernahme würde ja bedeuten, Ausbeutung und Ausraubung rückgängig zu machen...“ S. 34: Nicht immer werde bewusst manipuliert, dafür aber verschwiegen oder neutralisiert, (siehe Klimagerechtigkeitsbewegung). Das Resultat sei dennoch „ein Zerrbild der realen Welt, das sich an die Interessen und Bedürfnisse der Mächtigen (…) anschmiegt. Auf den Seite 41/42 heißt es, es seien die äußeren Faktoren, die die „institutionelle Schlagseite der Massenmedien verstärken“, Pressekonferenzen, Pressemitteilungen, PR-Arbeit, Hintergrundgespräche, Statements von Top-Entscheidern, Studien, Statistiken und Zahlen, Expertenanalysen, Talkshows. Verwiesen wird auf „diverse Disziplinierungsinstrumente“ wie u.a positive Sanktionen, gezielte Leaks, Enthüllungen, Auszeichnung durch Exklusivinterviews, lukrative Vortragsangebote, Schaltung von Werbung. Wer aber unangenehm auffalle und rote Linien überschreite, der wird ermahnt, gezügelt, bedroht oder entsolidarisiert. Alle Redaktionen bedienen sich des gleichgeschalteten Einheitsbreis, geliefert von dpa, AP, AFP und Reuter, und schrieben sodann voneinander ab, so lesen wir auf Seite 60. Gewarnt wird auf Seite 58 vor der weitgehenden Gleichschaltung als einen „ersten Schritt in Richtung faschistische Gesellschaft“. Im Klartext: Der „Westen“ versammelt das Gute um sich, Russen und Chinesen sind die Bösen. Und die dritte Welt sei scheißegal, es sei denn sie besitzt Rohstoffe oder bietet Schauplatz für einen kleinen Völkermord. (S. 59)


Die Manipulation hat zum Ziel, eine Vielzahl geeigneter Strategien der sozialen Befriedigung zu entwickeln, „damit also das System nicht an seinen eigenen Widersprüchen zerbricht“. (S. 147) Klassengegensätze sollen verschleiert und eine stillschweigende Zustimmung der Mehrheit der Bevölkerung zu einer Politik erreicht werden, „durch die Gemeinvermögen in großem Umfang einer kleinen Schicht ökonomischer Eliten zugeschanzt wird“. Im Neoliberalismus solle „eine radikal entpolitisierte und sozial atomisierte Gesellschaft“ erzeugt werden. S. 148: Keinesfalls dürfe ein kollektives Bündnis von „Veränderungsbedürfnissen“ entstehen. Man habe sich lediglich den Marktbedürfnissen anzupassen. Mit schlimmen Folgen: Das wirke, so auf Seite 149, entsolidarisierend und entwurzelnd, Hilflosigkeit und Resignation erzeugend. Eben dazu bedarf es der Medien. S. 144: Politische Lethargie erhöhe den Status der herrschenden Eliten. S. 113: Die Masse der Bevölkerung bestehe aus ahnungslosen und lästigen Außenseitern. Sie sollen sich aus der Politik heraushalten, sie sollen zu Hause lieber Fußball gucken. Der Pöbel dürfe nicht auf falsche Gedanken kommen, so steht es auf Seite 117.


Zuviel Scheiße im Kopp?


Um es gleich zu sagen, offen und unverblümt: Bei den miserablen und oft genug substanzlosen Angeboten der „viel gerühmten“ Medien dieses kapitalistischen Systems werfe niemand den einzelnen Journalisten den Fehdehandschuh vor die Füße. Sie sind Mitschuldige, aber keineswegs Hauptschuldige. Sie können einfach nichts dafür. Dieses Fazit muss der Rezensent aus dem viel beachteten Buch „Lügen die Medien?“ ziehen. Warum? Weil schlicht und einfach der Medienbereich Teil des kapitalistischen Systems ist. Sie befinden sich – wie wir alle – im gut gesicherten Finanzhof wie hinter einem Burgfried. Sie gehorchen ökonomisch und politisch den Herrschern dieser Festung des Imperiums Kapital. Und wer dennoch ausschert fliegt.


So lesen wir auf Seite 126: Die Journalisten leiden unter Aktualitätsdruck, sie folgen den Vorgaben der Politikelite, sie können und dürfen keine Alternativen, und wenn, dann nur taktische Details der Öffentlichkeit verkaufen. An Ausreden mangelt es nicht. Beispielsweise heißt es auf S. 40: „Wenn Qualität und Vielfalt verschwinden, liege das nicht am Anbieter, sondern am Kauf- und Lesevotum der Bürgerinnen und Bürger, dem das Angebot folgen müsse.“ Man könne aber nur das wählen, was angeboten wird. Eberhard Esche, einst Schauspieler am Deutschen Theater, spitzte manches Phlegma der Zuschauer im Parkett in seinem Buch „Der Hase im Rausch“ auf Seite 263 ziemlich sarkastisch so zu: „Wie oft bin ich aus schlechten Inszenierungen, von oben hinlänglich erwähnten Regisseuren in Szene gesetzt, aus dem Theater gelaufen, die Leute blieben sitzen. Manchmal frage ich mich, was mehr zu bewundern ist, ihr Kopf, der so viel Scheiße aushält, oder ihr Arsch, der so viel Scheiße aussitzt.“


Wichtig ist es, so die Autoren, die Schuld an der Misere nicht allein bei den Journalisten zu suchen, die im Grunde genommen Lohnarbeiter sind, allerdings nicht ohne Mitverantwortung. Erst Recht tragen die Nutzer der Medien ob ihres mehr oder weniger aufnahmebereiten Verarbeitens von Informationen keinerlei Schuld am Blühen der Falschmeldungen vor allem in der Außen- oder Kriegspolitik.


Illusionen & kraftvolle Auswege


Auf dem Gebiet von Lösungsvorschlägen gibt es in dieser so inhaltsreichen Argumentationskette – kann auch nicht anders sein - sowohl zurückhaltende illusionistisch eingefärbte Meinungen als auch „revolutionierende“ Ansätze zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Da ist die Rede von Foren, auf denen man sich austauschen könne, von radikalen Reformen, vom Aufwachen auf Seiten der Bürger, man solle breit lesen und sich informieren, man soll sich in Kritik üben und den Widerspruch organisieren. Seite 314: Man müsse die Massenmedien Entprivatisieren. Über Genossenschaften, Stiftungen und öffentliche Trägerschaften mit gesicherter innerer demokratischer Struktur müssten sie zu „Bürgermedien“ gemacht werden. Von alternativen Medien ist auf Seite 331 die Rede.


Für Lernfähige


Lügen die Medien nun oder nicht? Auf Seite 339 findet sich folgende Antwort: Es seien klare Lügen, „denn sie sind – besonders in diesen Zeiten – ein unmittelbarer Angriff auf unser aller Lebenschancen und -qualität, die Umwelt sowie unsere Fähigkeit zu Solidarität. (…) Sie sind Unmenschlichkeit, die sich – um wirklich kritische Fragen unmöglich zu machen – als Weisheit letzter Schluss gebärdet, als einzig denkbare Gesellschaftsordnung und Welt.“ Da haben wir es: Die Züchtung von politischen Unschärfen, von wem dies ausgeht und wer darunter zu leiden hat.


Das politisch schwergewichtige Buch „Lügen die Medien...“ zur Erhellung des Bewusstseins sowohl der angepassten als auch der kritischen Leserschaft wird vor allem jene erreichen müssen, die nicht gewillt sind, die Macht den wenigen ein Prozent der Finanzelite über das Denken und Fühlen der Masse der Bevölkerung zu überlassen. Auch diese Lektüre schlägt – wie andere Bücher zuvor – Gassen in Mauern des zunehmenden politischen Stumpfsinns. Es bietet durch die Vielfalt der An- und Aussichten ein breites Feld von Überdenkenswertem. Es hält dazu an, sich selbst in diesem System der systemerhaltenden Schmuddelware von Hohlheiten und Lügen die Messlatte an das eigene Denken und Tun zu legen. Es möge die satte Genügsamkeit, die Lethargie und die dumpfe Selbstzufriedenheit ins eigene Licht der Selbsterkenntnis zerren. Sicher ist dies: Es bedarf – vor allem nach der Bundestagswahl 2017 – einer neuen Gegenwehr gegen den geistigen Krieg um die Köpfe. Es geht um Klarsicht und Scharfsichtigkeit, gegen den Plunder der oberflächlichen Geschwätzigkeit und verdummenden politischen Rhetorik, es geht ums Ganze. Wie treffsicher – ich komme auf ihn zurück - der Schauspieler Eberhard Esche in seinem Buch „Der Hase im Rausch“ auf Seite 332 sagte: „Wem die Lernfähigkeit abhanden kommt, dem bleibt die Zunft verschlossen.“


Zum Herausgeber: Jens Wernicke, Diplom-Kulturwissenschaftler (Medien), arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Politik und als Gewerkschaftssekretär. Heute ist er Autor, freier Journalist und Herausgeber von „Rubikon - Magazin für die kritische Masse“. Zuletzt erschienen von ihm als Mitherausgeber „Netzwerk der Macht – Bertelsmann. Der medial-politische Komplex aus Gütersloh“ sowie „Fassadendemokratie und Tiefer Staat“. Er veröffentlicht unter: jenswernicke.de


Lügen die Medien?
Propaganda, Rudeljournalismus und der Kampf um die öffentliche Meinung


Herausgegeben von Jens Wernicke
Mit Beiträgen von Walter van Rossum, David Goeßmann, Ulrich Teusch, Volker Bräutigam, Ulrich Tilgner, Stephan Hebel, Werner Rügemer, Eckard Spoo, Noam Chomsky, Uwe Krüger, Rainer Mausfeld, Jörg Becker, Michael Walter, Erich Schmidt-Eenboom, Klaus-Jürgen Bruder, Kurt Gritsch, Daniele Ganser, Maren Müller, Hektor Haarkötter, Sabine Schiffer, Gert Hautsch, Rainer Butenschön, Markus Fiedler, Daniela Dahn (überwiegend von Jens Wernicke geführte Interviews)
Westendverlag Frankfurt 2017
368 Seiten, 18 Euro
Online-Flyer Nr. 631  vom 04.10.2017

(Dieser Buchtipp wurde in der NRhZ erstveröffentlicht.)

Montag, 2. Oktober 2017

EISZEIT-BLÜTEN - Pressemitteilung

Pressemitteilung
EISZEIT - BLÜTEN

Unter dem Titel „EISZEIT-BLÜTEN. ROTE-NELKEN-GRÜßE AUS BLÜHENDEN LANDSCHAFTEN“ veröffentlichte der Diplom-Journalist und Blogger und einstiger Oberstleutnant a.D. der NVA im Brokatbook Verlag, Erscheinungsdatum ab 01. Oktober, sein achtes Buch der biografischen Erinnerungen.



Warum schreibt der Autor Harry Popow von Eiszeit-Blüten? Er bezieht sich auf den Fund russischer Forscher. Sie entdeckten in einer Tiefe von 38 Metern in sibirischen Permafrostböden 30.000 Jahre alte Blüten aus der Eiszeit! Und brachten sie wieder zum Blühen...

Zum Blühen will auch der Herausgeber jene weitgehend offiziell nicht wahrgenommenen Erinnerungen von DDR-Bürgern. Denen spürt er auf und bezeichnet sie als Blüten, die zukünftigen Generationen helfen mögen, echte „blühende Landschaften“ ohne Kapitalismus zu errichten. Mit dem ironischen Untertitel spielt er erstens auf die von der Arbeiterklasse anlässlich des 1. Mai am Jackenaufschlag angesteckten Roten Nelken an, dem Symbol des Kampfes der Arbeiterbewegung und des Bekenntnisses zu Sozialismus und Kommunismus und zweitens auf das „berühmte“ Versprechen des Bundeskanzlers Helmut Kohl. Als Herausgeber lässt Harry Popow einstige DDR-Bürger mit ihren Erinnerungen und ihren Haltungen zum heutigen kapitalistischen Deutschland in zahlreichen Mails und persönlichen Texten zu Wort kommen.

Sie sind Nach- und Vordenker in einem. Sie stehen für ehrliche einstige DDR-Bewohner. Für ihr Wollen, ihren Ehrgeiz, ihren Mut, ihre Hingabe für ein neues und demokratisches Deutschland, mit all den noch unbewältigten Problemen des täglichen Lebens. Sie schweigen nicht. Denn es ist „Hohe Zeit“, da all die kühnen Ideen, die Motive für eine bessere Menschenwelt aus der Gruft der Vergessenheit herbeigerufen werden müssen.

Keine der in der DDR erlebten Widersprüche warf überzeugte Bürger und Humanisten aus der Bahn, weder psychologische Ungereimtheiten noch politische Kurzsichtigkeiten. Im Mittelpunkt der Motivation der Textbeiträge stand und steht die Verteidigung des Friedens, an der der Herausgeber auch persönlich 32 Jahre lang seinen Anteil hatte. Das Bemühen und das Engagement aller User und Autoren münden in der nachdenklichen Frage, ob die jetzige Beschaffenheit der Gesellschaft etwa das Nonplusultra sein soll…

Das Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Beginnend mit einem Essay, in dem die zunehmende geistige Leere in den Medien und in den Köpfen mancher Leser und Hörer bedauernd gegeißelt wird, werden im zweiten Abschnitt „Bekennendes Netz-Geflüster“ Mails, die unter Gleichgesinnten zu aktuellen Problemen ausgetauscht wurden, veröffentlicht. Vertiefend kann der Leser unter „Unvergessene Blütenpflege“ von persönlichen Erinnerungen erfahren. „Randglossen“ nehmen Bezug auf aktuelle politische und kulturelle Ereignisse in der BRD und in der Welt. Bevor der Herausgeber im Epilog den Zusammenhang zwischen angestrebten Friedenswünschen und realen Gefahren für das friedliche Miteinander Fazit ziehend erörtert, veröffentlicht er einige von ihm geschriebene Buchtipps zu ausgesuchten politisch kritischen Sachbüchern. Bei „Erlesenes“ lässt er seine Leser teilhaben an treffenden literarischen Zitaten, die aus der Sicht von Autoren und Schriftstellern das Menschsein in der Gesellschaft beleuchten und dazu auffordern,  sich gegen die Unbilden menschlicher Verwerfungen zu stemmen. Er nennt dies „Durchbruch durch acedia.“ Von ihm stammen seit etwa 2011 über 80 Buchrezensionen zu kritischen Sachbüchern, veröffentlicht vor allem in der Neuen Rheinischen Zeitung, in der  Linken Zeitung (online) und in ausgewählten sozialen Netzwerken.

Geboren 1936 in Berlin-Tegel, erlebte der Autor Harry Popow noch die letzten Kriegsjahre. Ab 1953 war er Berglehrling im Zwickauer Steinkohlenrevier und ab Herbst 1954 Offiziersschüler in der KVP, später NVA. In den bewaffneten Kräften diente er bis 1986 als Zugführer, Politstellvertreter und Militärjournalist. Den Titel Diplomjournalist erwarb er im fünfjährigen Fernstudium an der Karl-Marx-Universität Leipzig.  Nach Beendigung der fast 32-jährigen Dienstzeit arbeitete Harry Popow bis Ende 1991 als Journalist und Berater im Fernsehen der DDR. Von 1996 bis 2005 hatte er mit seiner Frau Ingrid seinen festen Wohnsitz in Schweden. Seit 2005 leben sie in Schöneiche bei Berlin.

Harry Popow (Hrsg.): „EISZEIT-BLÜTEN. ROTE-NELKEN-GRÜßE AUS BLÜHENDEN LANDSCHAFTEN“, Taschenbuch: 235 Seiten, Verlag: Independently published (17. September 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 1549766864, ISBN-13: 978-1549766862, Größe und/oder Gewicht: 14 x 1,5 x 21,6 cm, Euro: 11,50
https://www.amazon.de/EISZEIT-BL%C3%9CTEN-ROTE-NELKEN-GR%C3%9C%C3%9FE-AUS-BL%C3%9CHENDEN-LANDSCHAFTEN/dp/1549766864/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1506927838&sr=1-1&keywords=EISZEIT-BL%C3%9CTEN

Bisher veröffentlichte Bücher

Harry. Popow: „In die Stille gerettet. Persönliche Lebensbilder.“ Engelsdorfer Verlag, Leipzig, 2010, 308 Seiten, 16 Euro, ISBN 978-3-86268-060-3


Harry Popow: „WETTERLEUCHTEN - Platons streitbare Erben haben das Wort". Rezensionen, Essays, Tagebuch- und Blognotizen, Briefe“, Verlag: epubli GmbH, Berlin, 316 Seiten, www.epubli.de , ISBN 978-3-7375-3823-7, Preis: 16,28 Euro, http://www.epubli.de/shop/buch/PLATONS-ERBEN-IN-AUFRUHR-Harry-Popow-9783737538237/44867 

Eckhard Lange, (Ghostwriter und Urheber: Harry Popow): „Zwischen Start und Landung, Gelebt-gearbeitet-geflogen“, ein Lebensbericht, , 168 Seiten, Preis: 17,50 Euro – Versandkostenfrei, Juli 2013, Druck und Verlag: dbusiness.de Digital Business and Printing Gmbh, Greifswalder Str. 152, 10409 Berlin, E-Mail: greifswalder@dbusiness.de oder info@dbusiness.de , www.copyhouse.de, Telefon: 030 44650342. Buchbestellungen bitte über die email Adresse info@copyhouse.de.

Harry Popow: "Im Stillen Park der untoten Seelen. Tamaras Notizen – auf der Spur von Träumen und ungeweinten Tränen", AAVAA-Verlag, 1. Auflage 2016, Umschlaggestaltung AAVAA Verlag, Coverbild: Harry Popow, 335 Seiten, Taschenbuch, ISBN: 978-38459-1956-0, Preis: 11,95 Euro, Hohen Neuendorf b. Berlin, Neuerscheinungen im Juni: http://www.aavaa.de/Im-Stillen-Park-der-untoten-Seelen ,  Postadresse: Birkenwerderstraße 8, 16562 Hohen Neuendorf, OT Bergfelde, Fax: 49-3303-518 24 49

Harry Popow: "DÄMMERZEIT.  EIN KESSEL  STREITLUST", epubli-Verlag. Taschenbuch, Format DIN A5, 204 Seiten, ISBN: 978-3-7375-3822-0, Preis: 11,99 Euro, zu bestellen: http://www.epubli.de/shop/buch/D%C3%84MMERZEIT-Harry-Popow-9783737538220/52205, Telefon: 030/ 617 890 200

Harry Popow: „Der Schütze von Sanssouci. Das Leben mit einer Göttin – Erkenntnisse und Bekenntnisse aus acht Jahrzehnten“, Taschenbuch: 356 Seiten, Verlag: epubli; Auflage: 1 (22. Dezember 2016), Sprache: Deutsch, ISBN10: 3737538301, ISBN-13: 978-3737538305, Preis: 19,99 Euro


Harry Popow: „Das Schwedenhaus. Abgehauen in die Stille – Persönliche Lebensbilder“, Taschenbuch: 183 Seiten, Verlag: AAVAA Verlag (1. April 2017), Sprache: Deutsch, ISBN-10: 3845922443, ISBN-13: 978-3845922447, Preis: 11.95 Euro, Direktbestellung: http://www.aavaa.de/Das-Schwedenhaus









Mittwoch, 27. September 2017

Die Macht der Lügen


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An die Freunde der Landstrassen und Sofa-Ecken



Ein paar Gedanken über die Lüge in der Politik


Von Helmut "Newscan"

Freunde der Landstrassen und Sofa-Ecken, von Jean Jaures, dem französischen Historiker und sozialistischen Politiker, den heute noch jede kleine Stadt in Frankreich mit einer nach ihm benannten Strasse ehrt, ist der Satz überliefert: Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich, wie die Wolke den Regen. In Abwandlung dieses Satzes könnte man ebenso formulieren: Wie die Wolke den Regen in sich trägt, so trägt die Politik die Lüge in sich. Dabei ist die erworbene Fähigkeit zur Lüge eine geschätzte soziale Eigenschaft. Nur diejenigen, die zur glaubhaften Lüge fähig sind, sind beliebt und können in der sozialen Rangordnung eine hohe Position erreichen.

Frauen wurde und wird gerne unterstellt, sie seien besonders zur sozialen Empathie befähigt. Nach einer Untersuchung lügen Frauen (und bei Männern wird es nicht viel anders sein) in Durchschnitt 200 mal am Tag, wobei in der Psychologie Lüge nicht nur die klassische handfeste oder faustdicke Lüge ist, sondern auch all das, was in einem milderen Gewande daherkommt wie Schummeln, Übertreibung, Unterschlagung, Flunkern, das Kompliment, das Heucheln von Interesse oder Zuneigung und manches mehr.

Ein Beruf, der im Besonderen nicht ohne die Lüge auskommt, von dem man gar annehmen könnte, er habe die Lüge perfektioniert, ist der des Politikers. Ist dieser Beruf nicht schon einer der wenigen, der ohne berufliche Qualifikation ausgeübt werden kann, so ist der Politiker doch umso mehr darauf angewiesen, sich seinem Wählervolk spätestens alle 4 Jahre in Erinnerung zu rufen, es zu unterhalten, zu beeinflussen, zu überzeugen, es zu manipulieren, um sich seiner Wiederwahl sicherer zu sein. Dabei ist die soziale Fähigkeit zur Lüge unerlässlich.

Kein Politiker wurde und wird jemals gewählt, der seinem Wählervolk nichts als die Wahrheit erzählt hätte. Hier sind die Talente allerdings wie überall ungleich verteilt.

Edward Bernays ist der Verfasser des 1928 erschienenen Buch Propaganda. Neben Walter Lippmann war er einer der Begründer der Wissenschaft von den Massenmedien, der Massenkommunikation und der Propaganda zur Beeinflussung und Manipulation der Masse. Eine seiner "größten Leistungen" war es, den Frauen in den USA das Rauchen angewöhnt zu haben. Im politischen Bereich verantwortete er u.a. Kampagnen für die United Fruit Company und für den Umsturz der demokratisch gewählten Regierung in Guatemala, die United Fruit als ihr Eigentum betrachtete.

So schrieb Berneys 1928: "Die bewusste und zielgerichtete Manipulation der Verhaltensweisen und Einstellungen der Massen ist ein wesentlicher Bestandteil demokratischer Gesellschaften. Organisationen, die im Verborgenen arbeiten, lenken die gesellschaftlichen Abläufe. Sie sind die eigentliche Regierung in unserem Land."

Der Begriff Propaganda besaß übrigens zur damaligen Zeit noch keine negative Konnotation. Erst nach der Göbbelschen Anwendung der Lehre Berneys' wurde Propaganda nach dem Zweiten Weltkrieg schamhaft in Public Relations umbenannt. Sinn und Zweck blieben natürlich die Gleichen. Dabei setzte Göbbels genau das um, was Berneys bereits vorgedacht hatte, nämlich der Masse ins Gehirn zu kriechen.

Politische Agitation soll nicht nur rational wirken, sondern auch emotional. Und sie muss alltäglich sein, ja allgegenwärtig, um volle Wirkung zu entfalten. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Ganz im Gegenteil. Die Techniken der Lüge, Täuschung und Manipulation wurden durch Psychologie und Soziologie, deren Entwicklungsgesichte ohne militärische Auftragsforschung kaum denkbar wäre, in einem kaum vorstellbaren Maße verfeinert.

Hier ein paar Beispiele von handfesten Lügen aus der Politik, die immer dazu dienten, Wahlen zu gewinnen.

Helmut Kohl versprach einstmals den naiv in den Kapitalismus taumelnden Ostdeutschen ohne Skrupel blühende Landschaften. Keine Chance hatte dagegen Lafontaine, der wahrheitsgemäßer von einem langen Anpassungsprozeß sprach und es stellte sich heraus, dass nichts schwieriger ist, als das Angebot der Wahrheit akzeptabel zu machen.

Hier wird eine weitere Eigenschaft der Lüge offenbar. Sie ist, weil sozial erwünscht, oftmals glaubhafter als die Wahrheit. Man kann sogar sagen, schon im Moment der Verbreitung wird sie zwar oft als Lüge erkannt, dennoch weit eher goutiert als die Wahrheit.

Nur der Politiker ist also beim breiten Volk „ervolkreich“, der die soziale Fähigkeit zur glaubhaften Lüge im hohen Maß besitzt.
Die Lügen sind zahlreich und einige kommen heute schon als running gags daher.

Weitere Klassiker: Merkel versprach einst im Wahlkampf mit Steinbrück, mit ihr werde es keine Autobahnmaut geben. Wird ihr dies heute vorgehalten, so formuliert sie verschwurbwelt, sie habe es so gemeint, dass keine deutscher Autofahrer dadurch zusätzlich belastet werde. Aber auch dies wird sich als Lüge erweisen und vergessen werden.

Ein weiteres Beispiel diesmal aus dem Merkel/Steinbrück Kabinett: Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, als der deutsche Sparbuch- und Festgeldkontensparer mit einem Bank-Run zur Re-Privatisierung seine Einlagen drohte und in in dessen Folge sich ein Kollaps des Bankensystems abzeichnete, traten beide mit der faustdicken Lüge vor die Presse, die Einlagen der Sparer seien sicher. Eine Lüge zur Staaträson, wie viele der Art, man müsse halt dem dummen und ewig besorgten Volk die volle Wahrheit verschweigen.

Jean-Claude Juncker, u.a. der Vertuscher der Lux-Leaks und jetzt vehementer Fürsprecher für eine Erweiterung des Euro-Raumes, formulierte einst:

"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt."

So wurde u.a. bei der Einführung des Euro verfahren, als 1991 kaum jemand die Tragweite der Beschlüsse vorhersehen konnte.

Im Wahlkampf von 2005 versprachen Union und SPD eine Steuererhöhung von maximal 1, bzw. 2%, heraus kam in der GroKo eine solche von 3%.
etc.

Wahlkämpfe sind von je her die Hoch-Zeiten der Lügengeschichten. Ist das Volk so vergesslich? Ist es nicht. Bei Befragungen geben fast 80% der Befragten an, man könne Wahlversprechen keinen Glauben schenken und nach dem Gebrauchtwagenverkäufer rangiert der Politiker an zweiter Stelle der Personen, denen man nicht trauen kann.

Religion ist zumindest für Atheisten die institutionalisierte Form der Lüge. Deswegen musste die Lüge scharf sanktioniert und der Glaube an die Lüge zum Gebot ernannt werden.

Unbedingt notwendig ist die Lüge zur Diffamierung einer Gruppe, einer Minderheit, zur Verhängung von Sanktionen und ganz besonders zur
Vorbereitung eines Angriffskriegs.

Kein Krieg wurde jemals geführt zur Verbreitung der Demokratie, zur Durchsetzung von Frauenrechten, Menschenechten, sondern immer aus geopolitischen, geostrategischen Interessen zur Sicherung von Rohstoffen, Rohstoffwegen und Absatzmärkten. Dies musst dem Volk natürlich verborgen bleiben.

Terror und Lüge sind Instrumente zur Manipulation der öffentlichen Meinung.

False Flag Operationen (Operationen unter falscher Flagge) täuschen dabei einen Akteur vor, dem ein Terrorakt zugeordnet werden soll.

Der Ausdruck „False Flag“ (falsche Flagge ist ein nachrichtendienstlicher, politischer und militärischer Begriff, der ursprünglich aus der Seefahrt stammt.

Er bezeichnet eine verdeckte Operation, meist des Militärs oder eines Geheimdienstes, die zur Verschleierung der Identität und der Absichten des tatsächlichen Urhebers vorgeblich von einer anderen, dritten Partei durchgeführt wird. Die Aktion wird also zum Schein aktiv einem unbeteiligten Dritten zugeschrieben, wobei dieser eine Einzelperson, eine Organisation, eine religiöse bzw. Volksgruppe oder auch ein Staat sein kann. Der tatsächliche Akteur handelt dabei also „unter einer falschen Flagge“, was typischerweise vom gezielten Einsatz von Desinformation (einer Lüge) begleitet wird und zum Schutz vor der Entdeckung des wahren Urhebers strengster Geheimhaltung unterliegt.

Charakteristischerweise wird die Strategie der Spannung unter strengster Geheimhaltung von Organen des betroffenen Staates selbst oder von mit diesen verbundenen Tarnorganisationen verfolgt. Daher sind Theorien zu solchen Verschwörungen für den Historiker grundsätzlich zu Beginn schwer beweisbar, dennoch gibt es eine Anzahl von bewiesenen Fällen in der jüngeren Geschichte.

Unbedingt notwendig bei False Flag Operationen ist die Strategie des Plausible Denial (Glaubhafte Abstreitbarkeit). Sie bezeichnet eine Strategie, die in den USA in den 1950er Jahren entwickelt wurde und in der damals neu gebildeten Central Intelligence Agency (CIA) zum Einsatz kam.

Der Doktrin zufolge sollten Führungsstrukturen und Befehlsketten so locker und informell beschaffen sein, dass sie im Bedarfsfall leicht abgestritten werden konnten.

So koordinierte etwa ein Operations Coordinating Board, ein dem National Security Council angeschlossener geheimer Ausschuss, verdeckte Operationen der CIA oder Programme wie beispielsweise MKULTRA. Ein Repräsentant des US-Präsidenten in diesem Board, eine Funktion, die unter Präsident Eisenhower der Politiker und Industrielle Nelson Rockefeller einnahm, erlaubte es dem Präsidenten, über verdeckte Operationen stets informiert zu bleiben und gleichzeitig gegenüber dem US-Kongress eine „glaubhafte Abstreitbarkeit“ für die zum Teil illegalen Aktionen zu wahren. Damit sollte bezweckt werden, dass der CIA politisch heikle Aufträge von Machtträgern bis hinauf zum Präsidenten selbst erteilt werden konnten. Der Urheber oder die schiere Existenz dieser Aufträge sollte aber bestritten werden können, wenn eine verdeckte Operation scheiterte oder wenn politischer Schaden befürchtet wurde, falls eine offizielle Stelle die Verantwortung übernahm. Diese Strategie wurde später auch bei anderen Organisationen angewandt.

False Flag Operationen hat es zu allen Zeiten gegeben und sind keinesfalls eine Erfindung der Neuzeit. Frühe Beispiele finden sich bereits im Buch von Sun Tzu aus dem alten China: Die Kunst des Krieges.

Nero Claudius Cäsar Augustus Germanicus, genannt Nero ließ im Jahr 64 AD Rom niederbrennen und machte dafür die Sekte der Chrestiani (Christen) verantwortlich, die er in der Folge gnadenlos verfolgen ließ.


Hier einige Beispiele von False Flag Operationen der Neuzeit:

1898: Der Angriff auf die Maine

Am 15.2.1898 zerreißt eine Explosion im Hafen von Havanna den US-Kreuzer Maine. Das Schiff sinkt und 266 Mann der Besatzung sterben. Die USA machen Spanien für den Anschlag verantwortlich und erklären den Krieg.

1914: Torpedo Angriff eines deutschen U-Boots auf die Lusitania

Wie englische Autoren schreiben, wurde dieser Angriff von Winston Churchill provoziert, um die Stimmung in den neutralen USA zu einem Eintritt in den Krieg gegen Deutschland zu erzeugen. Die Lusitania soll nicht nur ein Passagierschiff gewesen sein, sondern entgegen dem Kriegsrecht auch Waffen und Munition transportiert haben.

1931: Der Mukden Zwischfall

Japanische Soldaten verübten einen Sprengstoff-Anschlag auf die Mukden-Eisenbahn in Nordchina, für den Japan die Chinesen verantwortlich machte. Er dient der japanischen Regierung als Vorwand, chinesische Städte zu bombardieren und die Mandschurei endgültig zu besetzen.

1933: Der Reichstagsbrand

Als angebliche Täter wurden der Öffentlichkeit die Kommunisten van der Lubbe, Ernst Torgler und drei bulgarischen Kommunisten präsentiert. Der Reichstagsbrand fiel mitten in den Wahlkampf für die Reichstagswahl vom 5. März 1933. Die NSDAP sprach unmittelbar danach von einem „Fanal zum blutigen Aufruhr und zum Bürgerkrieg“. Noch in der Brandnacht ordnete Hermann Göring in seiner Funktion als kommissarischer preußischer Innenminister das Verbot der kommunistischen Presse an. Außerdem wurden die Parteibüros geschlossen und zahlreiche Funktionäre der Partei in die so genannte Schutzhaft genommen. Allein in Berlin wurden 1500 Mitglieder der KPD festgenommen.

1939: Die sowjetische Armee beschießt das russische Dorf Mainila

Der sowjetische Führer Nikita Chruschtschow gab schriftlich zu, dass die Rote Armee das russische Dorf Mainila im Jahr 1939 selbst beschoss und man es Finnland in die Schuhe schob, als Grundlage für den „Winterkrieg“ gegen Finnland. Russlands Präsident Putin und dessen Vorgänger Boris Jelzin bestätigten, dass Russland der Aggressor war.

1939: Der Überfall auf den Sender Gleiwitz

Der Überfall auf den Sender Gleiwitz am 31. August 1939 war eine von der SS fingierte Aktion mit dem Tarnnamen Unternehmen Tannenberg. Er ist der bekannteste einer Reihe von Vorfällen, die als propagandistischer Vorwand für den Polenfeldzug, den Beginn des Zweiten Weltkrieges, dienten.

1940: das Massaker von Katyn

Das russische Parlament räumte ein, dass Stalin seiner Geheimpolizei den Befehl erteilte, 22.000 polnische Offiziere und Zivilisten im Jahr 1940 zu ermorden und es auf die Deutschen zu schieben. Putin wie auch der ehemalige sowjetische Staatschef Gorbatschow bestätigten beide, dass die Sowjets für das Massaker von Katyn verantwortlich waren.

1941: Der Angriff aus Pearl Harbour

Neuere Forschungen gehen inzwischen davon aus, dass der Angriff auf Pearl Harbour die USA nicht so überraschend traf wie behauptet, sondern provoziert und erwartet wurde. Obwohl der Angriff den USA zunächst eine militärische Schwächung zufügte, erwiesen sich seine langfristigen Folgen als fatal für Japan. Durch den in den USA als „heimtückisch“ aufgefassten Angriff gelang es der amerikanischen Regierung, die bis dahin größtenteils pazifistisch oder isolationistisch eingestellte US-Bevölkerung für den Kriegseintritt gegen Japan zu mobilisieren, was auf Grund des enormen amerikanischen Industriepotentials die Entscheidung zu Gunsten der Alliierten herbeiführte.

1950 ff: Operation Ajax. Bombenanschläge der CIA im Iran führen 1953 zum Sturz von Mossadegh

Die CIA heuerte in den 1950er Jahren Iraner an, die sich als Kommunisten ausgaben und Bombenanschläge auf Ziele im Iran verübten, um die Bevölkerung gegen den gewählten Präsidenten aufzubringen.

Zum 60. Jahrestag des Putsches im Iran hat der amerikanische Geheimdienst CIA erstmals öffentlich seine Beteiligung zugegeben. Die Central Intelligence Agency habe jüngst Geheimdokumente veröffentlicht, in denen sie sich zum ersten Mal formell dazu bekenne, den iranischen Ministerpräsidenten Mohammed Mossadegh gestürzt zu haben, teilt das Nationale Sicherheitsarchiv der George Washington University mit.

Die Experten bestätigen damit zahlreiche Studien, die den Sturz Mossadeghs als Ergebnis einer Geheimoperation deuten, die von CIA und britischem MI6 im Auftrag ihrer Regierungen inszeniert worden war. Der „Militärputsch, der Mossadegh und sein Kabinett der Nationalen Front stürzte, wurde unter CIA-Führung als ein Akt US-amerikanischer Außenpolitik durchgeführt“, heißt es in den Dokumenten, von denen weiterhin Teile geschwärzt sind.

Das Unternehmen, das unter dem Tarnnamen „Ajax“ durchgeführt wurde, richtete sich gegen die Verstaatlichung der iranischen Erdölindustrie, die den angloamerikanischen Interessen zuwider lief.

1954: Die Operation Susannah

1954 startete der israelische Militärgeheimdienst Aman die Operation Susannah, die zur so genannten Lavon-Affäre führte und erhebliche innen- und außenpolitische Verwicklungen auslöste.

Eigens zu diesem Zweck rekrutierte israelische Agenten führten im August 1954 Bombenanschläge gegen amerikanische Kulturinstitute und Firmen in Ägypten aus. Die Schuld sollte vor allem der Muslimbruderschaft und ägyptischen Kommunisten zugeschoben werden.

Ziel war, die USA glauben zu machen, dass der ägyptische Staat instabil und gegenüber islamistischen und politischen Extremisten machtlos wäre. Damit wollte man die guten Beziehungen zwischen den USA und dem ägyptischen Staatschef Gamal Abdel Nasser stören, die einige Militärs, darunter Mosche Dajan, als strategische Bedrohung für Israels Position ansahen. Zudem sollte der sich abzeichnende, als negativ für Israel eingeschätzte Rückzug der britischen Truppen aus der Sueskanal-Zone verhindert werden.

Im August 1954 wurden Brandanschläge auf amerikanische Bibliotheken in Kairo und Alexandria sowie auf ein Postamt ausgeführt. Ägyptischen Sicherheitskräften gelang es jedoch nach einigen Anschlägen, den Agentenring aufzudecken, als einer der Agenten ein amerikanisches Kino in Brand setzen wollte. Zehn Mitglieder wurden 1955 in Ägypten verurteilt, zwei von ihnen zum Tode. Zwei andere begingen im Gefängnis Suizid. Die Operation war angeblich ohne Wissen des israelischen Verteidigungsministers Pinchas Lavon ausgeführt worden, der dafür bekannt war, um einen friedlichen Ausgleich mit den Arabern bemüht zu sein.

1956-1971: Cointelpro

COINTELPRO ist ein Akronym für COunter INTELligence PROgram. Es steht für ein ehemals geheimes Programm der US-Bundespolizei FBI, das die systematische Überwachung, Unterwanderung und Störung von politischen Organisationen und politisch aktiven Privatpersonen innerhalb der USA umfasste.

Hintergrund war eine antikommunistische Stimmung und die teilweise zwanghafte Vorstellung, vor allem von FBI-Chef J. Edgar Hoover, dass sich hinter jeder regierungskritischen Bewegung oder Person der Einfluss sowjetischer KGB-Spione verbergen könnte. Das Programm wurde nach seinem Bekanntwerden in den 1970ern zum Gegenstand parlamentarischer Untersuchungen und gilt als Begleiterscheinung bzw. Folge der so genannten McCarthy-Ära. Es umfasste zahlreiche illegale Aktivitäten, darunter die Strafverfolgung von Menschen aufgrund durch das FBI gefälschter Beweismittel, und willkürliche Gewaltanwendung bis hin zu politischen Morden an missliebigen Personen.

1957: Attentate in Syrien

Britten und US-Amerikaner entwickelten schon 1957 einen Plan für Attentate in Syrien. Man wollte die Schuld der syrischen Regierung geben und einen Regimewechsel herbeiführen.

1960 ff.: Der Verfassungsschutz liefert Waffen an die RAF

Peter Urbach, ein V-Mann des Berliner Verfassungsschutzes, lieferte Ende der 1960er Jahre Molotowcocktails, Bomben und Waffen an Personen aus der Berliner APO, die später zu den Gründungsmitgliedern der Rote Armee Fraktion (RAF) gehörten.

In diesem Zusammenhang wurde spekuliert, ob die Behörden das Abgleiten von Teilen der Studentenbewegung in den Terrorismus bewusst förderten, um damit die Bewegung als Ganzes zu diskreditieren.

So hat der Ex-Terrorist Michael „Bommi“ Baumann mit Bezug auf die erwiesene Bomben- und Waffenverteilung durch Urbach an die Berliner Szene und mit Verweis auf Gladio die These aufgestellt, dass er und andere linke Untergrundkämpfer von der Bewegung 2. Juni und der RAF, obwohl damals vermeintlich selbständig und unabhängig agierend, unwissentlich nur „Marionetten ganz anderer Interessen“ in einer „übergeordneten Strategie [der Spannung]“ gewesen seien. Diese habe unter anderem darin bestanden, die aufkommende 68er-Bewegung durch Förderung ihrer gewaltbereiten Elemente und der folgenden Kriminalisierung als gesellschaftlich verändernde, relevante Kraft zu diskreditieren – denn mit „Irren, die wahllos Bomben schmeißen“ hätte dann folgerichtig niemand mehr etwas zu tun haben wollen.

Nach Baumanns Aussage gäbe es mehrere deutsche Ex-Terroristen, die zu ähnlichen Schlussfolgerungen wie er gekommen seien. Entsprechende Vorgänge für den gleichen Zeitraum in Italien sind inzwischen von Daniele Ganser in seinem Buch: Nato-Geheimarmeen in Europa ausführlich dokumentiert.

1961-1965: Operation Mongoose

Operation Mongoose, auch bekannt als „Das kubanische Projekt“ (amer.: The Cuban Project), war der Deckname für eine Geheimoperation der CIA und anderer Teile der US-Regierung zwischen 1961 und 1965, die den Sturz der 1959 an die Macht gekommenen kubanischen Revolutionsregierung zum Ziel hatte.

1962: Operation Northwoods

Operation Northwoods war ein US-amerikanischer Geheimplan, der 1962 vom Generalstab des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten verfasst und am 13. März 1962 Präsident John F. Kennedy vorgelegt wurde.

Neben Operation Mongoose sah dieser Plan vor, die verdeckte Kriegsführung der USA gegenüber Kuba weiter auszubauen. Durch inszenierte Terroranschläge unter falscher Flagge gegen den zivilen Luft- und Schifffahrtsverkehr innerhalb der USA, für die man im Nachhinein Fidel Castro verantwortlich machen wollte, sollte ein Vorwand zur Invasion Kubas geschaffen werden. So sollten u.a. Flugzeuge auf inneramerikanischen Flügen angeblich von Kubanern entführt und zum Absturz gebracht werden.

Im Gegensatz zu Mongoose wurde Northwoods jedoch nicht umgesetzt, weil Kennedy seine Zustimmung verweigerte. Die Planungen wurden bereits unter Präsident Eisenhower vorgenommen. Unterzeichnet war das Dokument von allen Mitgliedern der Vereinigten Stabschefs, Lyman L. Lemnitzer, dem Vorsitzenden und späteren Oberkommandeur der NATO in Europa, sowie von Brigadier General William H. Craig. Nach über dreißigjähriger Geheimhaltung kam der Geheimplan 1997/98 durch den Freedom of Information Act an die Öffentlichkeit.

1964: Der Tonkin Zwischenfall und der Eintritt der USA in den Vietnamkrieg

Nach Angaben der United States Navy sollen nordvietnamesische Schnellboote zwei US-amerikanische Kriegsschiffe mehrmals ohne Anlass beschossen haben. Damit begründete die US-Regierung unter Präsident Lyndon B. Johnson ihre Tonkin-Resolution: Diese forderte das direkte Eingreifen der USA in den seit 1956 andauernden Vietnamkrieg und legalisierte nach ihrer Annahme im US-Kongress von 1965 bis 1973 alle Kriegsmaßnahmen der USA.

Die Pentagon-Papiere (erschienen 1971) und die Memoiren von Robert McNamara (1995) belegen, dass die US-Regierung die Vorfälle durch bewusste Falschdarstellung zum Durchsetzen ihres seit 1963 geplanten direkten Kriegseintritts benutzte.

1978: Aktion Feuerzauber

Als Celler Loch wurde die Aktion Feuerzauber des niedersächsischen Verfassungsschutzes bekannt, bei der am 25. Juli 1978 ein Loch mit rund 40 Zentimeter Durchmesser in die Außenmauer der Justizvollzugsanstalt Celle gesprengt wurde.

Damit wurde ein Anschlag zur Befreiung von Sigurd Debus vorgetäuscht, der als mutmaßlicher Terrorist der Rote Armee Fraktion im Celler Hochsicherheitsgefängnis einsaß.

Angeblich wollte man mit Hilfe dieser verdeckten Operation unter „falscher Flagge“ einen Informanten in die RAF einschleusen. Die Öffentlichkeit und diverse Strafverfolgungsbehörden wurden über die wahren Urheber des Anschlags planmäßig getäuscht, erst 1986 kamen die Hintergründe durch Recherchen von Journalisten ans Licht. Daraufhin wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss eingesetzt.

Als involviert und informiert gelten die Anti-Terror-Einheit GSG 9, die niedersächsische Landesregierung unter Ernst Albrecht (CDU) sowie die Anstaltsleitung. Das Bundesinnenministerium als vorgesetzte Behörde der GSG 9, das Bundesamt für Verfassungsschutz, die Bundesregierung und die niedersächsische Landespolizei sollen vorab nicht informiert worden sein (siehe dazu auch Plausible Denial).

1980: Die Anschläge von Bologna und auf das Oktoberfest

Der ehemalige italienische Ministerpräsident Andreotti, ein italienischer Richter, und ehemaliger Leiter der italienischen Spionageabwehr gestand, dass die NATO mit Hilfe des Pentagon und der CIA Terroranschläge mit Hilfe einer Geheimarmee namens Gladio in Italien und anderen europäischen Ländern in den 1950er Jahren verübte, um die Schuld den Kommunisten zu geben. Der Anschlag auf den Bahnhof von Bologna am 2.8.1980, bei dem 85 Menschen starben und über 200 teils schwer verletzt wurden, wurde zunächst den Roten Brigaden zugeschrieben.

Man wollte eine antikommunistische Stimmung in Europa schaffen und so die drohende Beteiligung der KPI an der italienischen Regierung verhindern. Es sollte verhindert werden, dass kommunistische Minister in der italienischen Regierung Nato-Geheimnisse an die Sowjetunion verraten könnten.



Die Eliminierung von kommunistischen oder sozialistischen Abgeordneten und Regierungsmitgliedern in Griechenland, Italien, Frankreich und Deutschland war übrigens eine der Voraussetzungen für die Gewährung des Marshall-Plans nach dem 2.Weltkrieg. (siehe Einflussnahme auf Parlamentwahlen).

So heißt es: „Man musste Zivilisten attackieren, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen und unbekannte Leute, die weit entfernt des politischen Spiels waren. Der Grund war ganz einfach: Man wollte diese Menschen, die italienische Öffentlichkeit, dazu zwingen, sich an den Staat wenden, damit dieser für mehr Sicherheit sorgt.“

Diese Anschläge wurden von staatlichen Stellen linken Gruppen zugeordnet. Ziel war es, eine Beteiligung der KPI (Kommunistische Partei Italiens) und von Sozialisten an der Regierung in Italien auf alle Fälle zu verhindern.

Nur einen Monat nach Bologna, am 26.9.1980 wurde ein Anschlag auf das Oktoberfest verübt.

Von Beginn an wurde der Anschlag dem rechtsextremistischen Einzeltäter Gundolf Köhler zugeordnet, der in Verbindung mit der "Wehrsportgruppe Hoffmann" stehen sollte. Dies postulierte CSU-Strauss kurz vor der Landtagswahl in Bayern noch am Tatort. Hoffmann hat dies stets abgestritten und es konnte auch nie nachgewiesen werden.

Siehe dazu auch das Zeitdokument in newscan: Daniele Ganser im Gespräch mit Karl-Heinz Hoffmann, dem Gründer der Wehrsportgruppe zum Oktoberfestattentat.

Auch in Frankreich, Belgien, Dänemark, Deutschland, Griechenland, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Großbritannien und anderen Ländern wurden Terroranschläge nachweislich von Gladio inszeniert. (Siehe dazu auch Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen in Europa)

1980-1990: Südafrika

Südafrikanischen (weißen) Sicherheitsdiensten nahe stehende Kräfte verübten in den 1980er und 1990er Jahren Terroranschläge und Morde an Zivilisten, die der schwarzen Widerstandsbewegung African National Congress (ANC) in die Schuhe geschoben wurden, um deren Einfluss zu schmälern. Der ANC dementierte, dass er für die Anschläge verantwortlich sei. Er führte an, dass für die Taten eine dritte Kraft (Third Force) verantwortlich sei, was nach dem Ende der Apartheid auch bestätigt wurde. Da zur Zeit der Anschläge eine Beteiligung von regierungsnahen, weißen Kräften an den Terroranschlägen unvorstellbar war, litt das Ansehen des ANC unter der weißen Bevölkerung genau wie von den Urhebern beabsichtigt.

1970 ff: Chile

Vor und während der Regierungszeit des sozialistischen Präsidenten Salvador Allende führte die CIA mehrere verdeckte Operationen zusammen mit Teilen des chilenischen Geheimdienstes durch. Ziel war zuerst die Verhinderung der Wahl von Allende und, als dies misslungen war, der Sturz der gewählten Regierung. Unter anderem wurden landesweite Streiks in wichtigen Industriezweigen organisiert (Transport) und die resultierende Schwächung der Wirtschaft Allende zugeschrieben. Nach dem wiederum von den USA geförderten Putsch in Chile gegen Allende 1973 begann die systematische Verfolgung, Folterung und Ermordung von Sozialisten und Gewerkschaftern unter dem Deckmantel der Bekämpfung von „Subversiven“ und „Terroristen“.

1970 ff.: Operation Condor

Unter dem Codenamen Operation Condor (span. Operación Cóndor) operierten in den 1970er und 1980er Jahren die Geheimdienste von sechs lateinamerikanischen Ländern – Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay, Bolivien und Brasilien – mit Unterstützung der Vereinigten Staaten, mit dem Ziel, linke politische und oppositionelle Kräfte weltweit zu verfolgen und zu töten. In geringerem Umfang waren auch die Geheimdienste Perus, Ecuadors und Venezuelas an den Aktionen beteiligt.

Die wirksame juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen kam erst vor wenigen Jahren in Gang und dauert bis heute an.

1985: Die Iran-Contra-Affaire

Von der Reagan-Regierung wurden Einnahmen aus geheimen Waffenverkäufen an den Iran und aus dem Drogenhandel der CIA an die rechtsgerichtete Guerilla-Bewegung der Contras in Nicaragua weitergeleitet, um sie bei dem Contra-Krieg gegen die sandinistische Regierung zu unterstützen. Zum einen war die Unterstützung der Contras ein klarer Verstoß gegen einen entsprechenden US-Kongressbeschluss (Boland-Amendment), zum anderen war das Geld ursprünglich zum Freikauf US-amerikanischer Geiseln im Libanon vorgesehen. Im Zeitraum vom 20. August 1985 bis zum 28. Oktober 1986 wurden insgesamt 2.515 TOW-Systeme sowie 258 HAWK-Systeme bzw. deren Teile, auch via Israel, an den Iran geliefert. Die Transporte wurden überwiegend von zivilen Fluggesellschaften, wie beispielsweise Southern Air Transport oder St. Lucia Airways, ausgeführt.

Auf den ersten Blick erstaunlich war das auch deswegen, weil der Iran seit 1979 wegen der einjährigen Geiselnahme von 52 amerikanischen Bürgern als verfeindeter Staat galt. Aber der MIT (Militärisch Industrielle Komplex) der USA hatte keinerlei Bedenken, sowohl den verfeindeten Iran als auch den Irak zum Krieg gegeneinander aufzurüsten.

1990 ff.: Algerien

Während des algerischen Bürgerkriegs der 1990er Jahre wurden zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung unter der Beteiligung von staatlichen Stellen begangen. Mittlerweile wurde dieser schon früh geäußerte und begründete Verdacht durch die Aussagen von Zeugen und ehemaligen Angehörigen algerischer Sicherheitskräfte bestätigt. Als erster beschrieb der ehemalige Fallschirmjäger und Mitglied einer „Antiterroreinheit“ Habib Souaidia, dass das Militär an Massakern gegen die Zivilbevölkerung beteiligt war, die dann islamistischen Gruppen in die Schuhe geschoben wurden. Außerdem berichtete er, dass die Sicherheitskräfte äußerst grausame Formen von Folter angewendet hätten und dass er persönlich Zeuge von Hunderten von Morden an inhaftierten Zivilisten gewesen sei.

1990: Die Brutkastenlüge

Als Brutkastenlüge wird die über längere Zeit als Tatsache verbreitete Lüge bezeichnet, dass irakische Soldaten bei der Invasion Kuwaits im August 1990, dem Beginn des Zweiten Golfkriegs, kuwaitische Frühgeborene getötet hätten, indem sie diese aus ihren Brutkästen gerissen und auf dem Boden hätten sterben lassen. Diese wurde 1990 von Nayirah as-Sabah (auch Naijirah) im Kongress der Vereinigten Staaten kolportiert. Sie hatte Einfluss auf die öffentliche Debatte über die Notwendigkeit eines militärischen Eingreifens zugunsten Kuwaits und wurde unter anderem vom damaligen US-Präsidenten George H. W. Bush und von Menschenrechtsorganisationen vielfach zitiert. Erst nach der US-geführten militärischen Intervention zur Befreiung Kuwaits stellte sich die Geschichte als Erfindung der amerikanischen PR-Agentur Hill & Knowlton heraus. Diese war von der im Exil befindlichen kuwaitischen Regierung bezahlt worden, um eine Rückeroberung Kuwaits mittels Öffentlichkeitsarbeit zu unterstützen.

1994: Das Markale Massaker

Bei der Aufarbeitung der Kriegsverbrechen des serbischen Generals Ratko Mladic sagte der Zeuge GRM-116, Mitglied der Biseri-Sondereinheit von 1992 bis 1994, gegenüber Mladics Verteidigung am Haager Tribunal aus, dass der Raketenangriff auf einen Markt in Bosniens Hauptstadt Sarajevo im Jahr 1994 (Markale-Massaker I) nicht von serbischen Soldaten durchgeführt worden sei. Der Angriff, bei dem 66 Zivilisten starben, sei vom damaligen bosnischen Präsidenten Alija Izetbegovic angeordnet worden, um „durch die Schaffung von Massenelend in Sarajevo und Srebrenica“ eine westliche Intervention in den Konflikt herbeizuführen. Izetbegovic habe seinerzeit stark unter dem Einfluss des islamischen Führers Mustafa Ceric gestanden, der den Präsidenten davon überzeugt habe, dass „Verluste erlitten werden müssen.“ Der serbische Präsident Slobodan Miloševic wurde übrigens posthum vom Haager Tribunal freigesprochen.

USA 2001: Die Anthrax Anschläge

Das FBI gibt inzwischen zu, dass die Anthrax-Anschläge 2001 durch einen oder mehrere Forscher im Auftrag der US-Regierung durchgeführt wurden, um es im Vorlauf des Krieges gegen den Terror islamischen Terroristen anzulasten. Regierungsbeamte bestätigen auch, dass das Weiße Haus versuchte, die Milzbrandanschläge mit dem Irak zu verbinden, als Rechtfertigung für einen Regimewechsel. Da sich jedoch bald herausstelle, das das Anthrax vom US-Militär stammte, konnte der gewünschte Stimmungsumschwung in der Bevölkerung für einen Krieg gegen den Irak noch nicht erzeugt werden.

Alle bisher aufgelisteten Anschläge und False Plag Operationen waren bis auf wenige zunächst nicht also solche erkannt und von den Verantwortlichen eingeräumt worden. Historiker und Kriminalisten haben inzwischen oft erst nach Jahren die wahren Hintergründe aufdecken können.

Mark Twain schrieb einmal, die Lüge sei bereits 3mal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht und für den Taktiker Winston Churchill war die Wahrheit so kostbar, dass sie von einer Leibwache von Lügen umstellt werden müsse.

11.9.2001: Die Anschläge auf das World-Trade-Center

Was mit den Anthrax-Anschlägen und den angeblichen weapons of mass-destruction, die Colin Powell mit Modelzeichnungen vor der ungläubigen UNO demonstrierte, noch nicht glückte, das gelang mit dem unglaublichen und unfassbaren Anschlägen auf das World Trade Center in New York.

Zunächst erschien es einfach undenkbar , aber heute gibt es kaum noch von der US-Administration unabhängige Wissenschaftler, die noch behaupten, Al Khaida oder eine ähnliche Organisation habe die Anschläge auf das WTC geplant und selbstständig ausgeführt. Vielmehr weise dieser Anschlag eindeutige Merkmale einer „false flag operation“ auf.

Diese Anschläge lieferten für die Clique und Dauerregierung hinter George W. Bush endlich die Begründung für den nun eröffneten immerwährenden „Krieg gegen den Terror“. Der MIK (Militärisch-Industrielle-Komplex) ließ sich erst gestern mit Beistand von Trump und Kongress den Kriegshaushalt auf 700 Milliarden US-Dollar erhöhen.

Prominente Kritiker der offiziellen Version vom Einsturz sind unter anderem Aaron Russo, Jean Ziegler, Peter Dale Scott, Michel Chossudovsky, Mathias Bröckers, Gerhard Wisnewski, Daniele Ganser, Andreas von Bülow, Peter Scholl-Latour, der österreichische Sprengmeister Johann Kalari, Willy Wimmer, Alex Jones und Richard Gage vom 9/11 Truth Movement.

In den USA selbst glaubte im Jahr 2006 mehr als ein Drittel der Bevölkerung, dass Mitglieder der Regierung „sehr wahrscheinlich“ oder „einigermaßen wahrscheinlich“ an den Terroranschlägen am 11. September beteiligt waren oder davon wussten und nichts zu deren Verhinderung unternahmen, um eine Intervention der USA im Nahen Osten zu ermöglichen.

Weil die Regierung den Irakkrieg mit dem 11. September begründet habe, sei auch der Rückblick darauf skeptischer geworden. Die Vertreter solcher Auffassungen sehen sich auch dadurch bestätigt, dass mittlerweile eine größere Anzahl bewusst falscher Aussagen der Regierung vor dem Krieg bestätigt ist. So ergab eine Studie des Centers for Public Integrity, dass die Regierung Bush im Vorfeld des Irakkriegs 935 bewusste Falschaussagen veröffentlicht habe, was die Autoren der Studie als „Desinformations-Kampagne“ bewerteten.

Nach einer Umfrage der Zeit im Juli 2003 hielten es 31 % der unter 30-jährigen befragten Deutschen für möglich, dass die US-Regierung die Anschläge selbst in Auftrag gegeben habe. Fast 90 % der bei einer repräsentativen Umfrage von TNS Emnid im Dezember 2010 befragten Deutschen glaubten, die US-Regierung verschweige die „ganze Wahrheit“ über die Anschläge.


An dieser Stelle möchte ich mit der Aufzählung der False Flag Anschläge enden. Es könnte wahrlich noch von Dutzenden weiteren berichten. Ich möchte alle Leser stattdessen zu eigener Recherche ermuntern. Die Wahrheit hat viele Facetten und ist immer nur eine Annäherung an die Wirklichkeit.


Zum Abschluss noch ein Zitat von Imanuel Kant:

Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!


U.a. wurden folgende Quellen verwendet:

Das Internet.
Sun Tsu: Die Kunst des Krieges.
Edward Bernays: Propaganda.
Armin Wertz: Die Weltbeherrscher. Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA.
Alfred C. McCoy: Die CIA und das Heroin. Weltpolitik durch Drogenhandel.
Daniele Ganser: Illegale Kriege.
Jeremy Scahill: Dirty Wars (Schmutzige Kriege).
Daniele Ganser: Nato Geheimarmeen in Europa.
Henrik Krüger: The Great Heroin Coup. Drugs, Intelligence and Intl. Fascism.
John Perkins: Bekenntnisse eines Economic Hit Man. Unterwegs in Dienst der Wirtschaftsmafia.
David Talbot: The Devil's Chessboard (Schachbrett des Teufels).
Andreas von Bülow: Im Namen des Staates. CIA, BND und die kriminellen Machenschaften der Geheimdienste.
Erich Schmidt-Eenboom: Wie der BND die deutschen Medien steuert.
Daniele Ganser: Europa im Erdölrausch.
Zbigniew Brzezinski: Die einzige Weltmacht.
Stephen Schlesinger und Stephen Kinzer: Bananen Krieg.
Michael "Bommi" Baumann: Wie alles anfing.
Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsche Sagen.

Online-Flyer Nr. 630  vom 27.09.2017

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